Meinung : Matthies meint: Glückliches Bayern

Diese Kolumne leidet unter einem Bayern-Überhang. Wie schön wäre es, einmal über seltsame Machenschaften in Sachsen-Anhalt oder Schleswig-Holstein berichten zu können! Nein: immer wieder Bayern. Vermutlich liegt es daran, dass die viel gepriesene Liberalitas Bavariae so gut wie jeden Unfug erlaubt, sofern er sich nicht gegen die Staatskanzlei, das Hofbräuhaus oder den Englischen Garten richtet. Nun ist wieder einmal der Bayerische Verdienstorden verliehen worden; dass unser Lieblingskandidat, der München-Fan Frank Steffel, nicht zum Zuge kam, kann nur daran liegen, dass der Festakt schon vor einem halben Jahr stattgefunden hat. Otto Schily, der damals nicht konnte, hat den Orden nun. In diesem halben Jahr ist freilich nicht viel klarer geworden, worin denn die hervorragenden Verdienste des SPD-Ministers mit Amtssitz Berlin um den Freistaat Bayern zu suchen wären. Er lässt sich nicht mit Kühen fotografieren, stemmt öffentlich kaum eine Maß und ist ein ausgesprochener Lederhosenverächter. Immerhin ist ihm zu verdanken, dass sein Amtskollege Günter Beckstein öfter im Fernsehen auftaucht - reicht das? Freilich wird noch immer gerätselt, was den drastischen politischen Schwenk des ehemaligen Linken Schily bewirkt haben könnte. Jetzt ahnen wir: Er wollte einfach den Orden haben. Glückliches Bayern: Sowas schaffen sie in Sachsen-Anhalt nie.

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