Meinung : Matthies meint: Höllenmäßig paradiesisch

Zu den Lieblingsbeschäftigungen des ordentlichen Deutschen gehört das Schimpfen, Mäkeln und Wehklagen. Die Zeiten sind schlecht, sie werden immer schlechter, und das Wetter ist auch nicht mehr, was es mal war. Droben in Dänemark ist das Wetter noch schlechter, und doch halten sich die Dänen für das optimistischste Volk Europas. Einer von ihnen, Jörgen Munksgaard, der Vorstandschef der "Zürich Forsikring", ist sogar so optimistisch, anzunehmen, dass er mit seinem revolutionären Vorschlag durchkommt: Alle Mitarbeiter, die nicht rauchen, sollen einen zusätzlichen Urlaubstag bekommen. Wir begrüßen die Ankunft eines völlig neuen Steuerungsinstruments für gesellschaftlich gewünschtes Verhalten. Ernährungsprobleme? Einen Tag Zusatzurlaub für Normalgewichtige, zwei Tage für Vegetarier; demonstrative Alkoholabstinenz bringt einen weiteren Tag. Und dann das weite Feld des guten Benehmens! Einen Tag für stets adrette Bekleidung, einen für angenehme Frisur. Jobticket bezahlt und benutzt? Einen Tag. Müll sorgfältig getrennt ... Einen Tag für Männer, die ein Manifest gegen sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz unterzeichnen, einen Tag für Frauen, die jeglichem Büroklatsch abschwören - wir nähern uns allmählich einem paradiesischen Zustand, der darin bestehen könnte, dass richtig gute Menschen nicht mehr arbeiten müssen. Aber sind sie dann noch gute Menschen? Wir übergeben das Problem an unseren dänischen Betriebsphilosophen und gehen erst mal eine rauchen. Sofern wir vor lauter Mäkeln und Wehklagen dazu kommen.

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