Meinung : Matthies meint: Im Hättkworter

Ja, das möchten wir alle sein, jetzt und sofort: modern, cool, am liebsten voll cool. Deshalb tragen junge Menschen Hosen, die zwischen den Kniekehlen schlottern, formen sich Tollen aus eitel Haargel und benutzen ausschließlich Worte, die für sie in den Werbeagenturen eigens zurechtgedengelt werden. Doch was nützt das alles unseren Politikern? Beutelhosen gehen nicht, Gel wäre auch seltsam - aber die Worte! Frank Steffel, falls sich der eine oder andere noch erinnert, ließ einen Powerpoint Steffel einrichten, zu deutsch: einen Kraftpunkt Steffel. Das war durchaus cool, wurde aber schlecht verstanden und brachte nicht den gewünschten Erfolg. Jetzt kommt Stoiber und macht es besser: Ein "politisches Headquarter" wird für ihn im Adenauer-Haus gegründet. Politisch - nun gut: Dass es kein pharmazeutisches werden würde, liegt auf der Hand. Aber "Headquarter", das klingt fett nach Checkpoint Charlie, Lucius D. Clay und Rosinenbombern, und es ist damit integraler Teil jener Sprache, die die Kommunisten bekanntlich als einzige verstehen. Oder nicht? Dummerweise sieht es so aus, als ob das Wort überhaupt nicht existiere; "Headquarters" muss es heißen, in der Mehrzahl. Ja, entgegnen wir da, wie klingt denn das? Politisches Hättkworters? Bei Licht besehen: auch nicht blöder. Achtung, SPD: Political Hauptquartier wäre noch zu haben. Megacool!

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