Meinung : Matthies meint: Köln - Dortmund

Nichts ist dem modernen Menschen wichtiger als Bewegung. Huiii in Hamburg, zisch in München, rumms in Berlin. Nur die verschnarchten Berlin-Brandenburger haben das wieder mal nicht kapiert, und deshalb gluckert nun weiter die Großtrappe in der märkischen Flur, wo doch Investoren aus der ganzen Welt dem Transrapid hätten auflauern sollen. Wolfgang Clement, der große Westfale, ist da von anderem Kaliber. Die Fußball-WM 2006 gibt ihm Anlass genug, dem hurtigen Schienenfahrzeug eine Schneise von Dortmund nach Köln zu schlagen - jetzt oder nie! Dummerweise haben seine Experten wieder Zahlen in die Welt gesetzt, die in ihrem mutigen Zuschnitt stark nach Expo klingen und an frühe Prognosen für die Strecke Berlin-Hamburg erinnern: tagsüber Zehn-Minuten-Takt, 49 Millionen Fahrgäste jährlich, davon zehn Millionen Auto-Umsteiger - ein Ruhrgebiet in atemloser Bewegung. Vom Fahrpreis ist überhaupt nicht die Rede, wahrscheinlich, weil Clements kühne Wirtschaftspolitik bis dahin sowieso Geld über dem Kohlenpott regnen lassen wird. Und falls alles nichts hilft, wird halt ein wenig nachgeholfen: Dann findet 2006 die erste Halbzeit des Endspiels in Dortmund, die andere in Köln statt. Bringt ein ungeheueres Fahrgastaufkommen. Das Land mit der nächsten WM darf dann die Züge gleich mitnehmen.

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