Meinung : Matthies meint: Latein am Ende

In der hektischen Diskussion über die Doofheit der Deutschen und ihrer Schulen steht der Schuldige ja nun fest: das Sitzenbleiben. Unklar ist aber bislang, wie wir es nun abschaffen sollten - einfach so oder, sehr viel komplizierter, durch einen so märchenhaft guten Unterricht, dass auch die Klassentrottel wie von selbst zum Abitur getragen werden. Dabei bleibt ein Umstand völlig unberücksichtigt: Wer soll in Zukunft all den Vorstandsvorsitzenden, Computergenies und Einserjuristen den Dreck wegräumen? Und, vor allem: Wer macht für sie Politik? Das ist jetzt nicht nur so dahingewitzelt, denn zu jenen, die in der Schule eine Ehrenrunde drehen mussten, gehörten beispielsweise Friedrich Merz, der ja nach eigenen Angaben ein gefürchteter Haudrauf war, Edelgard Bulmahn und, jaja, Edmund Stoiber. "Wegen Latein" lautet ihre Standard-Entschuldigung, aber da muss nach den üblichen Regeln ja noch mindestens ein zweites Fach im Weg gestanden haben ... Egal: Diese Drei und viele andere hätten in einer besseren Schule den Knick in ihrer Biografie vermieden - und wären garantiert was Anständiges geworden, Oberstudienrat beispielsweise. Es kann natürlich auch sein, dass das Sitzenbleiben eine Art Härtebad darstellt, wie es angehende Politiker einfach brauchen. Wir dürfen uns nur nicht darüber wundern, dass sie so oft mit ihrem Latein am Ende sind.

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