Matthies meint : McDonalds? Ich lese es

Statt Plastikspielzeug verschenkt McDonalds im Kindermenü nun ein kleines Buch. Die Lesekompetenz der Kleinen soll so gestärkt werden. Eine Provokation für Fast-Food-Gegner und Pädagogen - und eine höllisch durchtriebene Aktion. Oder?

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Verdorbenes Essen, verdorbene Jugend? Weiß doch jedes Kind, dass der Burger dick macht. Und doof.
Verdorbenes Essen, verdorbene Jugend? Weiß doch jedes Kind, dass der Burger dick macht. Und doof.Foto: dpa

Wer eine lahme Intellektuellen-Party in Hochstimmung versetzen will, der muss nur einmal laut „McDonalds“ sagen. Innerhalb von drei Sekunden hat jeder eine Meinung gezogen wie Doc Holiday seinen Colt, und es folgen die Begriffe „Fettsucht“, „George Dabbeljuh“ und „Guantanamo“ in absteigender Reihenfolge. Und ist einer auch noch so leichtsinnig, zuzugeben, dass er manchmal auch einen Burger isst und ihn weniger giftig findet als eine triefende Berliner Currywurst Rot-Weiß, dann ist er mit einem einfachen Rauswurf noch gut bedient. Wohl Romney-Wähler, was?

Wir haben es also beim weltbekannten Konzern mit einem Wolf zu tun, der unsere Kinder fressen will und deshalb allergrößtes Interesse daran hat, auf Großmutter zu machen. Er tut das dieser Tage mit einer höllisch durchtriebenen Aktion: Zu jedem Kindermenü gibt es ein kleines Buch, vier Millionen insgesamt; man möchte in Kooperation mit der gemeinnützigen „Stiftung Lesen“ Lesefreude wecken, um Lesekompetenz zu vermitteln. Es handelt sich um Bücher wie „Conni geht in den Zoo“ oder „Der kleine Drache Kokosnuss“.

Früher gab es zum McDonalds-Kindermenü in der Regel Plastikspielzeug, das hat niemanden interessiert, sofern die Figuren nicht gerade tödliche Chemikalien ausdünsteten. Aber Bücher? In pädagogischer Absicht? Das ist für viele aufrechte Kämpfer gegen das Reich des Bösen, als würde ein Drogenbaron eine Schule stiften. Und da es irgendwie ums Essen geht, stehen die Leute von „Foodwatch“ ganz vorn auf den Barrikaden, ein paar Mann, die ständig derart herumlärmen, als stünde ein ganzes Olympiastadion hinter ihnen. Die Stiftung Lesen, so schimpfen sie, unterstütze ein Unternehmen, das seit Jahrzehnten die Jugend verderbe – und wer einmal einen Burger gegessen hat, der wird das ja bekanntlich nicht mehr los, dick, dicker, tot, man kennt das ja.

Es ist jetzt allerdings schwer, McDonalds einen Rat zu geben. Verschenken sie Bücher, nimmt man übel. Wasserpistolen, Lasergewehre oder kleine Atomkraftwerke wären eine Möglichkeit, dann würde zwar auch geschimpft, aber die Sache wäre klar, George Dabbeljuh, Guantanamo. Dass die Firma ohne Umschweife einen Schritt im Kampf gegen den Analphabetismus unterstützt – das verwirrt nur. Es sei denn, irgendjemand im Reich des Bösen wäre an lesenden Kindern interessiert. Fehlt es der CIA an deutschsprachigen Agenten? Das wäre zumindest eine Theorie, die auch die nächste Party beleben könnte.

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