Matthies meint : Meister des politischen Witzes

Philipp Rösler macht gerne Witze. Er setzt auf Frohsinn zur Auflockerung des biederen Politikbetriebes. Manchmal etwas zu gewollt.

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Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) trägt vor dem Narrengericht in Stockach die Narrenkappe.
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) trägt vor dem Narrengericht in Stockach die Narrenkappe.Foto: dpa

Es gibt gute und schlechte Witze, es gibt gut und schlecht erzählte Witze, und es gibt von Philipp Rösler ausformulierte und vorgetragene Witze. Bitte, das ist jetzt kein Herumtrampeln auf einer am Boden liegenden Partei, denn Rösler sieht sich selbst durchaus ganz oben: „Ich hab’s geschafft, ich bin jetzt Witze-Kanzler!“

Nur der Connaisseur begreift die unfassliche Tiefe dieses Wortspiels sofort; es erschließt sich am besten, wenn der Erfinder den Begriff „Witze“ mit einem gaaanz leicht gedehnten „I“ vorträgt: Wiiitze = Vize, Sie verstehen?

Rösler, das erkennen wir in jedem seiner öffentlichen Auftritte, will ganz locker rüberkommen, wie einer, der die Kanzlerin zum Frühstück verspeist hat und trotzdem keine Verdauungsprobleme kennt. Er würzt seine Ausführungen deshalb gern mit Selbstironie, allerdings in einer Variante, die selbst erfahrene Büttenredner schreckensbleich den Aschermittwoch herbeisehnen lässt: „Ich bin übrigens auch adlig, ich bin Philipp von (Pause...) der FDP!“ Schrecksekunde! Dann Prusten, Kichern, hysterisches Kreischen – internetaffine Analysten würden „ROTFL“ hinschreiben, „Rösler on the floor laughing“.

Dieser Meister des politischen Witzes beherrscht natürlich auch das Grundprinzip jedes befreienden Lachers, das der Humorforscher Viktor Raskin „Skriptopposition“ nennt: Die Pointe entsteht aus einer überraschenden Sinnverschiebung des normalsprachlichen Verständnisses. Hebt also Rösler mit dem Satz an: „Wie viele Sozialdemokraten braucht man, um eine Glühbirne auszuwechseln?“, dann erwarten wir irrig eine sehr betagte Einer- hält-und-dreie-drehen-ihn-Pointe.

Denn der Rösler-Trick ist: Es kommt keine! „Brauchen tut man einen, kriegen tut man keinen“, erläutert er, „ denn die setzen voll auf Solidarität, jeder verlässt sich auf den anderen, keiner packt an, und nichts passiert.“ Ein Witz ohne Pointe, ein Meisterwerk der Skriptopposition – demaskiert liegen die Sozen am Boden. Ähnliche Granaten: der Witz von der Kanzlerin als Barbiepuppe mit den 40 Hosenanzügen, und natürlich die Geschichte vom Frosch, der langsam erhitzt werden muss, damit er …

Kurz: Minister Rösler setzt auf Frohsinn, ohne Gnade. Er erinnert damit an ein ganz anderes Amphibien-Gleichnis, jenes vom Frosch im Milcheimer, der so lange strampelt, bis sich Butter bildet, die ihm den Aufstieg ermöglicht. Allerdings geht das nicht, wenn wie bei ihm nur Leitungswasser im Eimer ist.

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