Meinung : Matthies meint: Stoiber baut einen Carport

Das müssen wir dem Stoiber Edmund lassen: Seine Wahlkampfstrategen treffen den richtigen Punkt. "Was haben wir, was Schröder nicht hat?" haben sie sich gefragt, und die Antwort war schnell gefunden: eine richtige, in sich geschlossene und in sich ruhende Familie. Der Kanzler, nicht wahr, ist ein notorischer Womanizer in vierter Ehe, so eitel, dass er juristische Schritte all jenen androht, die ihn des Haarfärbens zeihen. Eine Tochter hat er zwar, aber es ist im biologischen Sinn nicht seine - der Kenner spricht von einer Patchwork-Familie. Schlimmer noch: Eine nervige Halbschwester trägt den Kampf um ihren Steuerfreibetrag als Alleinerziehende direkt über die "Bild"-Zeitung aus. "Wenn mein Bruder Pflasterer wäre", sagt sie, "dann könnte er mir wenigstens einen Carport bauen oder ein Loch in die Wand bohren." Kann denn Schröder, so fragen wir uns sorgenvoll, nicht mal ein klitzekleines Gesetz im Sinne der Verwandschaft formulieren? Bei Stoibers dagegen geht es zu wie bei Lehmanns auf dem Sofa: Der Patriarch und seine laaangjährige Frau, dazu wohl geratene Kinder mit enormen Enkelaussichten. So jemand wählt sich praktisch von selbst, und deshalb wird die Hl. Stoibersche Familie jetzt in den Mittelpunkt gerückt. Als Clou würden wir uns vorstellen, dass der Kandidat eigens anrückt, um Schröders Schwester einen Carport zu bauen. Das Loch in der Wand kann er sich ja fürs Kanzleramt aufheben, falls die Wähler ihn nicht offiziell hineinlassen.

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