Meinung : Matthies meint: Über den Urnen

Dies ist die hohe Zeit der Szenarien. Wie könnte der nächste Berliner Senat aussehen, wie der übernächste? Die Kunst der Kandidaten besteht darin, nie öffentlich genannt zu werden, weil sie sonst - eilig dementieren müssten und künftig als verbrannt gelten würden. Andere sind froh darüber, wenn man sie rechtzeitig durchhechelt, damit sie nicht echt antreten müssen, beispielsweise die Herren Schäuble und Lafontaine. Am Ende, das lässt sich jetzt schon prognostizieren, werden ohnehin wieder alle Importe aus der Bundespolitik absagen, schon, weil sie so gern über die Berliner Provinzler spotten, die einfach nicht aus dem eigenen Saft wollen. Doch was bedeutet das für die Wahl? Kommen jene aus der Gruft zurück, die im Berliner Dialekt immer noch "Kommenisten" heißen? Oder spült umgekehrt ein gewaltiger Anti-Volksfront-Bürgeraufstand die Landowskys wieder an die Macht, weil doch nicht alles schlecht war im alten West-Berlin? Den Spekulationen ist nur eins gemeinsam: Auch dem nächsten sowie übernächsten Senat wird Gabriele Schöttler angehören. Die hochhackigste Senatorin aller Zeiten ist die weltweit einzige Politikerin, die als sog. Linke, Frau und östlicherseits Geborene das magische Dreieck der dreifachen Quote erfüllt und nur durch Streichung der kompletten Landesregierung aus dem Amt zu hebeln wäre. Sie schwebt damit für den Wähler so unerreichbar über den Urnen, dass eine Art Monarchie-Effekt eintritt, der mit dem Grundgesetz nur noch schwer vereinbar ist. Die daraus resultierende Forderung ist klar: Freie Wahl der Gabriele Schöttler durch das Volk! Dann hätte die CDU wenigstens Gelegenheit, eine eigene Kandidatin das Stöckeln üben zu lassen.

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