Meinung : Matthies meint: Voll krasse Dornenkrone

Die Kirche, auf die es in diesen harten Zeiten ja ankäme, steckt in einer Sinnkrise, denn geistlicher Beistand gilt offenbar als wenig konkret, wenn Blut fließt und die Primelknicker explodieren. Dies zeigt sich in einer amerikanischen Umfrage, die Feuerwehrleute und Krankenschwestern an die Spitze der Liste ehrbarer Berufe rückt. Irgendwo im Mittelfeld stagnieren die Pfarrer, gefolgt von so notorisch verhassten Finsterlingen wie Journalisten und Autoverkäufern. Wir Presseleute sind das ja gewohnt, aber die Kirchen reagieren unruhig. In England sind sie jetzt auf die Idee verfallen, junge Leute bei ihren Interessen zu packen: Jesus, heißt es in einer Werbekampagne, sei der erste Bodypiercer gewesen. Ein bisschen hart, meinen die Autoren - aber das richte sich eben an junge Leute, und da müsse man die Texte schon ein wenig ... "auf Kante nähen", würde Hans Eichel sagen. Aber ob das helfen wird? Eher ist wohl zu befürchten, dass modeorientierte Briten sich nun ein Ganzkörperkreuz und eine voll krasse Dornenkrone anbringen lassen und dann versuchen, zu Fuß den Kanal zu überqueren. Die Weiterungen sind absehbar: Waren nicht die Apostel eine Art Boygroup? Maria Magdalena eine Jenny Elvers des Altertums? Ach: Es wäre wohl besser, wenn diese Vorschläge nicht britischen Boden erreichen.

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