Meinung : Maul- und Klauenseuche: Die Klügere bleibt ruhig

Stephan-Andreas Casdorff

In Zeiten von Panik und Irrationalität hilft manchmal ein Blick auf die Fakten, dann einer auf die Hintergründe. Erst einmal, ganz banal gesagt: Die Frage, wie die Maul- und Klauenseuche am besten zu bekämpfen sei, ist schwierig zu beantworten, sonst gäbe es die Antwort längst. Daraus erklärt sich zum einen die anhaltende Unruhe in Deutschland, zum anderen, dass sich am Wochenende die Agrarminister der Europäischen Union treffen wollen, um zu beraten, ob eine Aufhebung des Impfverbotes hilft.

Es gibt dazu unterschiedliche Expertenmeinungen. Eine sagt, vorbeugend gegen MKS geimpfte Tiere können nicht von infizierten unterschieden werden, und die geimpften können nach einem Ausbruch der Seuche das Virus unerkannt verbreiten. Die andere sagt, dass mit den bis 1991 erlaubten Impfungen die Seuche erfolgreich ausgerottet worden sei.

Zum Thema Chronologie: Der jüngste Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Europa Nun ist es dummerweise so, dass ausgerechnet die beiden Grünen-Verbraucherministerinnen - die viele Hoffnungen tragen, weil sie beide die Agrarwende wollen - nicht nur verschiedene Meinungen vertreten. Sie sind auch noch öffentlich aneinander geraten: Seit das Virus Tiere in den Niederlanden angesteckt hat, befürwortet die nordrhein-westfälische Ministerin Bärbel Höhn energisch Schutzimpfungen, während ebenso regelmäßig die Bundesministerin Renate Künast mit ihren Zweifeln kontert. Höhn wiederum findet, der Dissens müsse "offen ausgetragen" werden, Künast kritisiert ebenso offen mangelnde Schutzmaßnahmen in NRW. Beide Grüne werden daraufhin von je einem führenden Sozialdemokraten, von Wolfgang Clement und Otto Schily, unterstützt - und jetzt wundern sich alle, dass der Dissens solche Auswirkungen hat?

Daran tragen, vor diesem Hintergrund gesehen, beide Schuld: Höhn, weil sie glaubt, wegen ihrer frühen Warnungen auch jetzt ganz unbedingt im Recht zu sein, Künast, weil sie die Klugheit ihrer Parteifreundin überschätzte. Sie hätte selber klüger sein müssen, klüger als Höhn und für sie mit. Nun sollen sich beide zu einem "klärenden Gespräch" treffen. Danach werden Höhn und Künast bestimmt eine gemeinsame Position vertreten. Alles andere wäre in diesen Zeiten auch ziemlich irrational.

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