Max Strauß : Schatten über seinem Leben

Mehr als zehn Jahre haben Staatsanwälte daran gearbeitet, Max Strauß Steuerhinterziehung nachzuweisen. Und jetzt ist er freigesprochen worden.

Moritz Döbler

Massig wie sein Vater ist er, aber dessen Format hat er nicht geerbt. Max Strauß war nie ein Sympathieträger. In doppelter Hinsicht: Er ist ein Strauß, und er ist es nicht so richtig. Lange stand für viele fest, dass er Dreck am Stecken hat. Waffenlieferungen, Schmiergeld. Es fehlte nur noch das Urteil. Und jetzt ist er freigesprochen worden. Glatt, erster Klasse. Aus Mangel an Beweisen heißt es so schön und im Zweifel für den Angeklagten. Man hat ihm halt nichts nachweisen können.

Aus, fertig, nächster Fall? Nein – von diesem Unterton des Verdachts muss man sich trennen, endlich, endgültig. Mehr als ein Jahrzehnt lang haben Staatsanwälte hart daran gearbeitet, ihm Zahlungen des Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber und damit Steuerhinterziehung nachzuweisen. Es ist ihnen nicht gelungen. "Der Angeklagte hatte von Karlheinz Schreiber nichts erhalten, darum musste er auch nichts versteuern", lautet das lapidare Resümee des Augsburger Richters Manfred Prexl.

Der Rechtsstaat hat gesiegt, so kann man das werten. Auch wenn sich Staatsanwälte so verrennen, wird eben am Ende doch Recht gesprochen. Aber der Preis, den Max Strauß – und er allein – zu zahlen hatte, ist zu hoch. Von einem Schatten, der sich über sein Leben gelegt hat, spricht Max Strauß, und das ist ein mildes Urteil. Die Anwaltskarriere ist jedenfalls schon lange im Eimer.

Mitleid mit Max Strauß? Nein, so weit muss man nicht gehen. Der Fall reicht nicht für einen Justizskandal, aber für etwas Nachdenklichkeit schon. Denn es grenzte an Sippenhaft, wenn jemand nur deswegen unerbittlich verfolgt würde, weil er der Sprössling von jemandem ist. Hätte ein Max Mustermann wohl auch zwölf Jahre mit der Justiz zu kämpfen gehabt? Die Antwort ist jedenfalls kein eindeutiges Ja. Auch Staatsanwälte sind eitel, große Fälle helfen der Karriere.

Schließlich: Die rechtlichen Relationen stimmen nicht. Zwölf lange Jahre wird an einem Fall von Steuerhinterziehung ermittelt. Diese Akribie ist vielleicht eher etwas für Mord und Totschlag.

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