Meinung : Mazedonien: Die Uhr tickt

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Als die Nato ihr Vorauskommando nach Mazedonien entsandte, hat sie einen Prozess in Gang gesetzt. Jetzt läuft die Uhr, zählt jeder Tag. Denn nun sind die Erwartungen geweckt, und ohne dramatischen Gesichtsverlust wird die mächtigste Militärorganisation der Welt aus ihrer Verantwortung nicht mehr entlassen werden, auch wenn sie die Mission "Essential Harvest" formal noch gar nicht angetreten hat. Um die Lage am Konfliktort ein letztes Mal zu prüfen war am Montag der Nato-Oberbefehlshabers für Europa, General Ralston, nach Mazedonien gereist. Wenn der Nato-Rat, der nach Ralstons Bericht seine Entscheidung treffen will, nun diesen endgültigen Schritt auch nur ein wenig hinauszögert, dann werden sich viele Kritiker der Mission bestätigt fühlen: Hält der Waffenstillstand eben doch nicht? Ist der Bombenanschlag auf das orthodoxe Kloster eine so schlimme Provokation, dass die slawischen Mazedonier jeden Kompromiss endgültig ablehnen und die Nato-Soldaten als Terrorhelfer bekämpfen? Jeden Tag stellen sich ähnliche Fragen, doch zumindest die Richtung der Entwicklung stimmte zuletzt hoffnungsvoll. Der eine Tag, den die Nato nun hinter den Erwartungen zurückbleibt, sollte deshalb nicht den Anlass zu pessimistischen Voraussagen geben. Es ist kein ungewöhnlicher Vorgang, wenn die Nato-Botschafter sich noch einmal mit ihren jeweiligen Regierungen abstimmen, bevor sie die Soldaten in eine heikle Mission schicken. Denn dieser Einsatz ist gefährlich. Aber fast jede Alternative dazu ist noch gefährlicher.

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