Meinung : Mazedonien: Sie gehn nicht meilenweit

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Zum Thema Dokumentation: Fischers Bundestagsrede in Auszügen.
Chronologie: Auslandseinsätze der Bundeswehr
Hintergrund: Die NATO-Operation "Essential Harvest"
Die Aufgaben: Was die Bundeswehr in Mazedonien erwartet.
Die Beteiligten: Welches Land wieviel Soldaten nach Mazedonien schickt Tagelang hatten die Nationalisten im mazedonischen Parlament gezögert, ihren Teil der Abmachung zu erfüllen. Am Donnerstagabend machten sie unwillig den Weg frei für den Einstieg in die Verfassungsreform zugunsten der albanischen Minderheit. Prompt konnte gestern die Nato mit der Waffenernte, zweiter Teil, bei den albanischen Rebellen beginnen; inzwischen ist auch die Bundeswehr dabei. Zug um Zug müssen beide Seiten in Raten ihren Teil der Zusagen einhalten - so will es die Logik des Friedensprozesses. Ob das Konzept funktioniert, bleibt zweifelhaft. Die Zustimmung im Parlament kam nur durch hohen internationalen Druck zustande. Ein widerwilliges Ja zu den Reformen ist keine tragfähige Basis für die Zukunft. Die Mehrheit der slawischen Abgeordneten zeigte in der im Fernsehen übertragenen Debatte ihre tiefe Abneigung gegen den Friedensplan. Das Publikum zu Hause hat die Botschaft verstanden. Die Nato sammelt Waffen ein, doch die Versöhnung lässt auf sich warten. Die mazedonische Mehrheit traut den albanischen Rebellen die Bereitschaft zu einer ehrlichen Selbstentwaffnung nicht zu. Das sei nur eine Show. Die Nato-Soldaten werden dabei als Freunde der Feinde betrachtet. Umgekehrt zweifelt die albanische Minderheit an der Bereitschaft der slawischen Mehrheit, sie als gleichberechtigte Staatsbürger zu akzeptieren. Formal ist Mazedonien einen ganzen Schritt weiter im Friedensprozess, hat die zweite Etappe erreicht. Tatsächlich jedoch ist das Land noch immer meilenweit vom Frieden entfernt.

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