Meinung : Mediziner-Streik: Pflichtvergessen

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Seit diesem Montag streiken in Berlin die Ärzte. Aber gegen wen richtet sich ihr Streik? Gegen die Kassen, von denen sie gern höhere Honorare hätten? Gegen die Politik, die den Einkommenserwartungen mit ihren Budgets nach oben Grenzen setzen? Nein, der Streik trifft die Kranken. Wer zum Arzt muss, aber nicht gleich ein Notfall ist, wird nicht behandelt. Vielleicht hat er eine Chance, wenn er privat bezahlt. Es geht eben ums Geld. Die Budgetierung und der Wettbewerb unter den Krankenkassen drücken die - früher hohen - Honorare der Mediziner. Jetzt steigt die Zahl der Ärzte, aber der Kuchen, der zu verteilen ist, wächst nicht entsprechend. Dass die Ärzte für höhere Einkommen demonstrieren, ist legitim. Die Forderung, das Gesundheitssystem - von der Abrechnung bis zur Qualität der medizinischen Versorgung - zu reformieren, auch. Aber Streik? Ärzte führen keinen Arbeitskampf. Und sie sind verpflichtet, die medizinische Grundversorgung zu gewährleisten. So nehmen die Berliner Ärzte in ihrem Konflikt mit den Kassen und der Politik die Patienten in Geiselhaft. Niemand geht zum Arzt, weil er gerade nichts Besseres zu tun hat. Wem als Patient aber die notwendige Behandlung verweigert wird, der muss sich fragen, wie weit das Vertrauen zu seinem Arzt noch gehen kann. Die Patienten werden missbraucht, und gleichzeitig sollen sie am Ende die Zeche zahlen. Die Vorschläge, die die Lobbyverbände bisher vorgelegt haben, gehen jedenfalls in die Richtung, den Patienten noch kräftiger in die Tasche zu langen. Mancherorts machen sie ja bereits die Erfahrung: Schnell und gut wird behandelt, wer privat versichert und zahlungskräftig ist. Schlechte Aussichten fürs Gesundheitssystem.

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