Mehdorn und Schell : Gorillas im Nebel

Von einem Kasperletheater spricht Manfred Schell, der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GdL. Da hat er recht. Doch dieses Theater ist ein ganz besonderes, denn es gibt zwei Kasper, Hartmut Mehdorn und Manfred Schell. Ein Kommentar von Alfons Frese

Alfons Frese

Und noch eine weitere Besonderheit: Das Trauerspiel dauert inzwischen so lange, dass auch dem letzten Sympathisanten der Spaß vergangen ist. Das ist schlecht für Schell, denn ohne ein gewisse Unterstützung in der Bevölkerung, zumindest Verständnis für die Forderung, geht den Arbeitskämpfenden bald die Luft aus. Mehdorns Kalkül dagegen könnte aufgehen: Die GdL ins Leere laufen zu lassen und so bedeutungslos zu machen, dass er es künftig nur noch mit zwei Gewerkschaften bei der Bahn zu tun hat. Das fänden die beiden anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA auch ganz prima.

Überhaupt ist dieser Konflikt nur noch am Rande ein Streit zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaft ums Geld. Im Mittelpunkt steht vielmehr der Kampf um Beschäftigte: Welcher Gewerkschafter vertritt wen? Welcher Funktionär hat welche Truppen? Wer ist der größte und schönste Arbeiterführer? Diese Aufführung ist ein Lehrstück über die Bedeutung der Tarifeinheit. Bei der Bahn kann besichtigt werden, wie in einem Betrieb mehrere Gewerkschaften miteinander konkurrieren und am Ende alle verlieren. Auch Mehdorn übrigens.

Fast das ganze Jahr musste sich der Bahnchef mit dem Tariftheater befassen. Und mit ansehen, wie sich die Gewerkschaften mit ihren Forderungen hochschaukelten, um sich vor der eigenen Klientel zu profilieren. Mehdorn hat selbst auch nicht sauber gespielt. Er hat im Verlauf des Jahres Gerichte bemüht, die kurzzeitig das Streikrecht einschränkten, und die Öffentlichkeit so instrumentalisiert, dass der Konflikt in Schwung blieb. Dumm nur, wie dieser Schwung inzwischen außer Kontrolle geraten ist.

Jetzt sollen wieder Schlichter ran, wenn es nach Mehdorn geht. Offensichtlich bekommen die Beteiligten alleine kein Vertragswerk hin, mit dem die Lokführer ihr Kernziel dauerhaft erreichen, nämlich Einkommen und Arbeitszeit selbst zu verhandeln, aber in Kooperation mit den beiden anderen Gewerkschaften. Vielleicht hilft es, wenn Kurt Biedenkopf und Heiner Geißler, die beiden Moderatoren aus dem Sommer, reaktiviert werden. Ein Gruppentherapeut sollte diesmal nicht fehlen.

Seiten 1 und 17

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