Meinung : Mein Freund Boris war mit sich im Reinen

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In der „New York Times“ schreibt Bill Clinton über den Tod des ehemaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin:

Das letzte Mal, dass ich Boris Jelzin während meiner Amtszeit sah, war im Juni 2000, sechs Monate nachdem er als erster Führer Russlands die Macht im Zuge eines verfassungsgemäßen Übergangs freiwillig abgegeben hatte. Obwohl die Belastung des Präsidentenamtes und seine Herzoperation ihren Tribut an seine Gesundheit gefordert hatten, waren die ungestüme Umarmung und sein Lachen ganz wie immer. Er war vollkommen davon überzeugt, mit seinem vorzeitigen Rücktritt das Richtige getan zu haben, und auch damit, Wladimir Putin als seinen Nachfolger ausgewählt zu haben, der die Intelligenz, Energie und das Durchhaltevermögen haben würde, um die russische Wirtschaft in Fahrt zu bringen und die komplizierte politische Lage zu beherrschen.

Ich sagte ihm, dass ich beeindruckt war von dem, was Präsident Putin bisher gezeigt hatte, aber dass ich nicht sicher war, ob Putin mit der Demokratie so viel anfangen könne oder sich ihr ähnlich verpflichtet fühle wie er. Jelzin antwortete, dass es zu Meinungsverschiedenheiten kommen würde, solange Russland sich seinen Weg in die Zukunft suche, aber dass Präsident Putin die Uhr nicht zurückdrehen würde und wir einen Weg zur Zusammenarbeit finden würden.

Ich sah Jelzin noch einmal, als ich für die Party in den Kreml zurückkehrte, die Präsident Putin zu dessen 75. Geburtstag veranstaltete. Er wirkte gesund und mit sich und seiner Arbeit im Reinen.

Boris Jelzin war intelligent, leidenschaftlich, emotional, willensstark und mutig. Er war nicht perfekt und musste sich gewaltigen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen stellen, als er Russland aus Jahrhunderten autoritärer Herrschaft rausführte. Aber er machte es. Am Ende des Kalten Krieges konnten Russland und die Welt froh sein, dass es Jelzin gab.

Die Geschichte wird freundlich über meinen Freund Boris urteilen.

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