Meinung : „Mein Job verlangt Eifer, nicht Übereifer“

Christoph von Marschall

So vieles ist über diesen Mann geschrieben worden, dass die Fronten verschwimmen. Ist er wirklich der Ankläger oder eher der Angeklagte? Die Pressefreiheit bedrohe er, wenn er Journalisten, die sich auf Informantenschutz berufen, in Beugehaft nehme, klagt die „New York Times“. Auch hohen Tieren im Weißen Haus wird es langsam ungemütlich angesichts der Beharrlichkeit, die Patrick Fitzgerald an den Tag legt. Gut möglich, dass er kommende Woche Anklage erhebt gegen Präsident Bushs Politstrategen Karl Rove und Vizepräsident Cheneys Stabschef Lewis Libby – wegen der Enttarnung der CIA-Agentin Valerie Plame, „Leakgate“ genannt. Vermutlich war das „Leaken“ ein Racheakt an Plames Ehemann, Botschafter Joseph Wilson. Er sollte 2002 in Afrika Vorwürfe untersuchen, Saddam Hussein versuche in Niger waffenfähiges Uran zu kaufen, fand aber keine Belege. 2003 warf Wilson dem Weißen Haus vor, Geheimdienstmaterial zu manipulieren, um den Irakkrieg zu rechtfertigen. Kurz darauf standen Deck- und Klarname seiner Frau in den Medien. Rove und Libby hatten mit Journalisten gesprochen.

Fitzgerald wurde Ende 2003 die Untersuchung übertragen. Der 44-jährige Sohn irischer Einwanderer gilt als furchtlos und unbeirrbar. Präsident Bush musste ihm im Juni 2004 eine Stunde Rede und Antwort stehen. In den 90er Jahren ist Fitzgerald in New York gegen Drogenbosse vorgegangen und hat den Mafiapaten John Gambino hinter Gitter gebracht. Er verfolgte die islamistischen Hintermänner des ersten Anschlags auf das World Trade Center 1993 und der Attentate auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania. 1998 erhob er Anklage gegen Osama bin Laden wegen globaler terroristischer Verschwörung. 2001 holte man ihn nach Chicago, wie zu Al Capones Zeiten wurde ein unbestechlicher Staatsanwalt gesucht, der mit der Korruption in Stadt- und Staatsverwaltung aufräumt.

Fitzgerald will offenbar nichts anderes sein als Strafverfolger, das macht in stark und unabhängig. „Ich will nicht gewählt werden und gehöre keiner Partei an“, sagte er der „Washington Post“. Die Eltern, die sich in New York kennen lernten, schickten ihn auf ein Jesuitengymnasium, das Studium finanzierte er als „Doorman“ eines Apartmenthauses in Manhattan. Nebenher spielte der 1,90 große und über 100 Kilo schwere Junge Rugby. „Ich bin es gewohnt, mir Schrammen zu holen, obwohl ich es eigentlich nicht darauf anlege.“

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