Meinung : „Mein Kabinett …

Anat-Katharina Kalman

… wird keine Regierung der Banken sein.“

Ferenc Gyurcsány, der frisch gewählte Kandidat für das Amt des ungarischen Ministerpräsidenten, verspricht mehr Transparenz in Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Auf dem Parteitag der Sozialisten am Mittwochabend erhielt er 453 Stimmen. Ursprünglich galt der Parteilinke Peter Kiss als Favorit. Doch Kiss erhielt bei dieser erstmals geheim abgehaltenen Abstimmung nur 166 Stimmen.

Das Ergebnis zeigt deutlich, dass die ungarischen Sozialisten mit Ferenc Gyurcsány den Weg einer „sozialdemokratischen Mitte“ nach dem Modell des britischen Premiers Tony Blair beibehalten wollen. Gyurcsány selbst bezeichnet sich als engagierten Linken, der auch den Ideen des Wirtschaftsliberalismus nahe steht. Das ist auch nicht weiter erstaunlich, denn laut der linken Tageszeitung „Magyar Hirlap“ ist der gerade 43-jährige ambitionierte Politiker gleichzeitig einer der 100 wohlhabendsten Unternehmer des Landes. Allein seine Investmentfirma Altus hat einen Marktwert von rund 14,5 Millionen Euro. Er betreibt daneben auch ein Bauxitaufbereitungswerk und ist Eigentümer von mehreren Liegenschaften, darunter der Budapester Klub der Parlamentsabgeordneten und ein früheres Regierungserholungsheim am Balaton.

Ferenc Gyurcsány wurde 1961 geboren und stammt aus Pápa. Im Alter von 21 Jahren wurde er Sekretär der kommunistischen Jugendorganisation KISZ in Pécs, ab 1988 Leiter der Landesorganisation der Hochschulstudenten, danach Zentralsekretär des Jugendverbandes. Nach der Wende wechselte er in die Privatwirtschaft und erst 2002 kehrte er in die Politik zurück, wo er bis jetzt als strategischer Berater des scheidenden Ministerpräsidenten Péter Medgyessy und als Minister für Sport- und Jugendfragen tätig war. Insgesamt gilt Ferenc Gyurcsány als redegewandt, hochintelligent und agil. Mit seinem jugendlich sportlichen Outfit, seiner Vorliebe für karierte Hemden und Marathonläufe gilt er für viele als ein ebenbürtiger Gegenspieler zum populistischen Oppositionsführer Viktor Orban und somit als der einzige, der in der Lage sein könnte, gegen diesen in den Wahlen 2006 zu siegen. Es bleibt jedoch die Frage, ob er fähig sein wird, die Linke hinter sich zu einigen. Denn seitdem Peter Medgyessi den Wirtschaftsminister Istvan Csillag, ein Mitglied der freien Demokraten (SZDSZ), entlassen hat, spricht der deren Chef offen von einer Vertrauenskrise innerhalb der Regierungskoalition.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben