Meinung : „Mein Vorbild steht in San Diego“

Claus-Dieter Steyer

So eine wundersame Karriere verblüfft Freunde und Widersacher gleichermaßen: Der einst für den DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski arbeitende Antiquitätenhändler Axel Hilpert wird im Mai Gastgeber für die Finanzminister der wichtigsten Industrienationen der Welt sein. Wie dem 58-jährigen Kaufmann dieser Coup gelang, bleibt sein Geheimnis. Aber eine bessere Werbung könnte sich ein Hotelier kaum vorstellen: Journalisten aus aller Welt werden sich auf den Weg an den schönen Schwielowsee bei Potsdam machen, um über die Konferenz wenige Tage vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm zu berichten.

Dann laufen Bilder über die Fernsehschirme, die eher an Kalifornien, Florida oder Kuba als an die etwas raue märkische Landschaft erinnern. Hilpert verwirklichte im kleinen Petzow seinen „Traum vom exklusiven Urlaubsparadies“. Das Hotel und die Ferienhäuser in amerikanischer Holzbauweise könnten auch in Key West stehen. „Mein Vorbild für die Anlage steht in San Diego“, sagte er bei der Eröffnung des 45 Millionen Euro teuren Hotels im Frühjahr 2005. „Nur ist der Komplex dort dreimal so groß.“

In den nächsten Wochen vergrößert sich das „Resort Schwielowsee“ jedoch beträchtlich. Eigens für das Ministertreffen entsteht ein Tagungs- und Eventcenter, der Wellnessbereich verdoppelt seine Grundfläche – finanziert vor allem von der Deutschen Kreditbank, die aus der ehemaligen DDR-Staatsbank hervorgegangen war. Daran erinnert ein goldenes Schild an der Eingangstür.

Doch Hilpert nutzt nicht nur die eigenen gute Drähte, um eine solche Veranstaltung in das 124- Zimmer-Hotel zu holen. Die Anlage am See entwickelte er zusammen mit Hans-Hermann Tiedje, einst stellvertretender Chefredakteur von „Bild“ und persönlicher Wahlkampfberater von Helmut Kohl.

Hilpert selbst hat sich als ein unbequemer und forscher Geschäftsmann erwiesen. So setzte er sich beim Bau des Resorts über Auflagen hinweg und platzierte Pfahlbauten unmittelbar an den Schilfgürtel. Nach massiven Protesten von Umweltschützern musste er die Häuser wieder 15 Meter zurücksetzen.

In den 90er Jahren war Axel Hilpert schließlich am Auffinden eines seit dem Zweiten Weltkrieg verschwundenen Mosaiks aus dem berühmten Bernsteinzimmer beteiligt. Der Tipp kam von seinem ehemaligen Führungsoffizier bei der Stasi. Für die war Hilpert IM „Monika“.

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