Meinung : „Meine Studenten …

Ariane Bemmer

… sind die besten der Welt.“

Tintwistle, ein Dörfchen östlich von Manchester, ist so klein, wie seine berühmteste Tochter schrill. Ein paar Straßen, in der Nähe ein See, das war es. Hier wurde sie 1941 geboren, Vivienne Westwood, Schöpferin abenteuerlicher Mode, erst „Queen of Punk“, dann „Queen of Pomp“ – und nur noch bis 2. Juli Professorin an der Berliner Universität der Künste.

65 Studenten hat sie ausgebildet in den vergangenen zwölf Jahren. Sie war zwar selten anwesend – einmal im Monat reiste sie für ein verlängertes Wochenende aus London an –, aber dann durchaus streng. Großartig sollten die Entwürfe schon aussehen. Großartig aussehen, das empfand sie als ihre Verpflichtung. „Wenn Leute hässlich angezogen sind, dann beachte ich sie einfach nicht“, war ihr Motto. Mancher mag da aufheulen, wenn er daran denkt, wie Leute aussahen, die Vivienne Westwood angezogen hatte. Die trugen Hemdchen mit angenähten Hühnerknochen, T-Shirts wurden mit Sicherheitsnadeln zusammengehalten, andere hatten opulente Puffärmelchen, sie entwarf abenteuerlich vertäute Korsagen, Anzüge mit Schnallen und Gurten, trug meterhohe Plateauabsätze oder sonstiges schräges, schrilles, was sich aus Tweed, Leder oder Latex zusammenschneidern ließ.

Vivienne Westwood war nach gescheiterter erster Ehe lange mit Malcolm McLaren von den „Sex Pistols“ zusammen. Sie eröffneten einen kleinen Laden am billigen Ende der Londoner King’s Road, der häufig den Namen wechselte und heute „World’s End“ heißt. Auch nach der Punkmode hat Westwood nichts ernsthaft tragbares kreiert. Sie entwarf bunt-historisches, kostbar-pompöses, ihre Kleider sollten nicht kleiden, sie sollten auffallen.

Lange hat sie davon nur schlecht gelebt, in einer Sozialwohnung gehaust und sich mit jeder Kollektion finanziell völlig verausgabt. Erst als sie 1989 in der Zeitschrift „Women’s Wear Daily“ zur Königin der Designer gekürt wurde, ging es aufwärts. 1990 und 1991 wurde sie zur britischen Modeschöpferin des Jahres gewählt, 1992 ernannte Königin Elizabeth II. sie zum „Officer of the British Empire“, 1994 verbuchte ihr Label einen Jahresumsatz von drei Millionen Pfund, 1998 waren es zwanzig Millionen.

Vivienne Westwood hat es weit gebracht. Die meisten ihrer Studenten werden das nie schaffen – und auch niemals die eigenen Entwürfe in Kaufhäusern hängen sehen. Vivienne Westwood regt das auf. Die Einkäufer seien zu feige, hat sie mal geklagt. Und Feigheit kann sie nicht leiden.

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