Meinung : Keiner nervt besser als Weber

Dass Axel Weber allem Anschein nach nicht mehr Chef der Europäischen Zentralbank werden wird, ist eine schlechte Nachricht. Er hätte dem Währungs- und Wirtschaftsbündnis gut getan.

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Wie kaum ein anderer steht Weber für Unabhängigkeit und Unbequemlichkeit. Als Notenbanker fühlt er sich vor allem einem Ziel verpflichtet: der Stabilität des Euro. Erst nervte er den EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet, weil er öffentlich kritisierte, dass die Notenbank kränkelnden Staaten mit dem Ankauf von Staatsanleihen auf die Beine hilft. Dann nervte er die Bundeskanzlerin mit seiner Kritik, Angela Merkel habe ihren ursprünglichen Kurs, ein strenges Vorgehen gegen Haushaltssünder und den Vorrang der Stabilität, nicht gegen ihre europäischen Kollegen durchsetzen können.

Mag sein, dass Merkel recht hat, dass Europa nicht ohne Kompromisse funktioniert und dass Europa den Deutschen mehr nutzt, als die Schuldenkrise ihnen schadet. Was Europa aber auch nicht schaden könnte, wäre ein Notenbankchef mit einer klaren Haltung, ein Gegengewicht zu der manchmal allzu kompromissbereiten und dem Wahlerfolg verpflichteten Politik. Ein Gegengewicht kann aber auch in Deutschland nicht schaden.

In ihrer eigenen Partei hat die Kanzlerin in Wirtschaftsfragen nicht mehr viele Widerworte zu erwarten. Friedrich Merz ist gegangen, genauso Peter Müller und Roland Koch. In die Schlüsselpositionen hat Merkel vor allem Männer gebracht, die ihr gewogen sind und sich zumindest öffentlich mit Kritik zurückhalten. Gerüchte, Merkels Wirtschaftsberater Jens Weidmann könnte Webers Nachfolge bei der Bundesbank antreten, passen in dieses Bild. Mit Josef Ackermann wiederum hat Merkel es nicht immer leicht gehabt. Der Chef der größten deutschen Bank war für die Bundeskanzlerin ein wichtiger Rat- und Geldgeber, als es zu verhindern galt, dass das Land in der Krise versinkt. Merkels Rettungsschirm hat auch Ackermanns Unternehmen genutzt. Das indes hat den Bankchef nie davon abgehalten, ihr zu widersprechen. Wenn Axel Weber nun Chef der Deutschen Bank werden würde, säße dort wahrscheinlich wieder eine Nervensäge. Und das wäre wiederum eine gute Nachricht.

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