Meinungen : Gefährliches Säbelrasseln

Die Situation im Nahen Osten scheint sich weiterhin nicht zu entspannen. Ein „Pulverfass“ findet Stephan Kramer. Für Israel müsse das Verhältnis zur Türkei wichtiger sein als falscher Stolz.

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Das Schiff "The Audacity of Hope" im Hafen von Athen in Griechenland, kurz vor der Abfahrt Richtung Gaza.Alle Bilder anzeigen
Foto: AFP
01.07.2011 16:39Das Schiff "The Audacity of Hope" im Hafen von Athen in Griechenland, kurz vor der Abfahrt Richtung Gaza.

In diesen Tagen zieht die Eskalation in den Beziehungen zwischen der Türkei und Israel besorgte Blicke auf sich. Die Sorge ist berechtigt. Die Gefahr, die von der Konfrontation ausgeht, reicht über das Verhältnis zwischen den beiden Staaten, ja weit über die Grenzen des Nahen Ostens hinaus. Unmittelbarer Auslöser der Eskalation war der letzte Woche publik gewordene Bericht einer UN-Untersuchungskommission zur „Gaza-Hilfsflotte“. Damals hat die israelische Armee den Versuch mehrerer von der türkischen Organisation IHH auf den Weg gebrachter Schiffe vereitelt, die israelische Seeblockade des Gaza-Streifens zu durchbrechen. Dabei wurden acht türkische Bürger und ein türkischstämmiger US-Bürger, die die israelischen Soldaten beim Entern angegriffen hatten, erschossen.

Die bilateralen Beziehungen glichen in letzter Zeit einem Pulverfass. Der Untersuchungsbericht kam nun als Zünder hinzu. Die Kommission kritisierte Israel zwar scharf wegen übermäßiger Gewaltanwendung, sprach das Land aber von dem Vorwurf frei, mit der Blockade gegen das Völkerrecht zu verstoßen. Zugleich mahnte sie, die türkischen Behörden hätten „mehr tun können“, um die Initiatoren der Flotte von ihrem Vorhaben abzubringen. In Ankara wurden dies als ein Schlag ins Gesicht empfunden. Die diplomatischen Beziehungen zu Israel wurden reduziert, alle Militärabkommen eingefroren. Jetzt will die türkische Regierung auch den Internationalen Gerichtshof anrufen und hat eine stärkere Präsenz ihrer Marine im östlichen Mittelmeer angekündigt.

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