Merkel gegen Steinbrück : Herausforderer und Herausforderung

Er ist vielleicht nicht die beste Wahl, aber die, die Spannung bringt: Peer Steinbrück. Er hat den Linken in seiner Partei Avancen gemacht, sorgt für eine klare Konfrontation und strahlt Willen aus. Er ist Herausforderer und eine Herausforderung - nicht nur für die SPD.

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Das Duell 2013: Angela Merkel gegen Peer Steinbrück
Das Duell 2013: Angela Merkel gegen Peer SteinbrückFoto: dpa

Ob es eine kluge Entscheidung war, den Kanzlerkandidaten jetzt schon zu benennen - ein Jahr vor der Bundestagswahl - wird sich erst noch zeigen. Aber es war eine überfällige Entscheidung. Denn die Idee der Troika hat sich, einmal mehr bei der SPD, nicht bewährt. 1994 konnte sich die Partei schon nicht zwischen Oskar Lafontaine, Gerhard Schröder und Rudolf Scharping entscheiden und hat einfach mehr oder weniger alle drei ins Rennen geschickt. Das Ergebnis ist bekannt.

Jetzt konnte das Bild eines Trios mit gleichen Siegchancen auch nur noch mit Mühe aufrecht erhalten werden und es ist gut, dass dem nun ein Schlusspunkt gesetzt wird.

Peer Steinbrück also. Jener Mann, dem die Partei bei ihrem letzten ordentlichen Parteitag im Dezember 2011 noch einen eisigen Empfang bereitet hatte. Die Zahl seiner Fans war bisher überschaubar. Selbst unter den Pragmatikern in der Partei waren nicht alle überzeugt von ihm. Und das Verhältnis zur Parteilinken war vor allem durch gegenseitige Abneigung gekennzeichnet. Aber es gibt für die Sozialdemokraten, vor allem die Linken, wohl noch ein größeres Schreckgespenst als Peer Steinbrück: Angela Merkel. Die Vorstellung, wieder in einen Wahlkampf ziehen zu müssen, in dem es von vornherein maximal um eine Juniorrolle in einer großen Koalition unter einer Kanzlerin Merkel geht, war am Ende auch für die schärfsten Steinbrück-Kritiker eine Horrorvorstellung. Die Erinnerung daran, wie Merkel der SPD den Lebensgeist aus den Adern zog, ist noch sehr frisch.

Steinbrück hat das erkannt und ein Momentum genutzt. Er hat von allen dreien am deutlichsten zum Ausdruck gebracht, dass er nicht noch einmal in ein Kabinett Merkel gehen wird. Damit hat er nicht nur für klare Fronten gesorgt, sondern auch etwas ausgestrahlt, was sein härtester Konkurrent um die Kandidaten-Rolle, Frank-Walter Steinmeier, lange vermissen ließ: den unbedingten Willen, Kanzler zu werden.

Für die Parteilinken wurde er wegen dieser klaren Konfrontation zur CDU plötzlich interessant und versüßt hat ihnen Steinbrück das noch mit seinem Bankenpapier, das die Parteilinken fast bejubelt haben.

Ohne Risiko ist der Kandidat Steinbrück aber nicht. Seine zahlreichen gut bezahlten Reden könnten nochmal ein Thema werden, auch in seiner Partei. Wie weit er den Parteilinken wirklich auch inhaltlich entgegenkommen wird, zum Beispiel in der noch immer ungeklärten Rentenfrage, muss sich erst noch zeigen. Ganz zu schweigen davon, was passiert, falls Steinbrück tatsächlich ins Kanzleramt einziehen sollte. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dann wieder eine Konfrontation gibt, ähnlich wieder unter Schröder, zwischen dem Kanzleramt auf der einen Seite und der Partei auf der anderen Seite, ist groß. Genau das aber könnte einen Kandidaten Steinbrück auch für Parteichef Sigmar Gabriel interessant gemacht haben. Gabriel kann sich voll auf die Partei konzentrieren - und profilieren. Nur muss der Parteichef jetzt erstmal diese Kandidatensuche verdauen. Denn die ist am Ende alles andere als nach Plan verlaufen. Er wollte die Oberhand behalten, die Regeln und Abläufe bestimmen. Doch das bröckelte seit Wochen. Erst mehrten sich die Stimmen, die ein Mitgliederentscheid wollten, dann wurde der Ruf laut, dass es früher als 2013 eine Entscheidung geben müsse und zuletzt ploppten fast im Tagesrhythmus Meldungen über eine Entscheidung auf, die Gabriel dann wahrscheinlich wider besseren Wissens dementieren musste.

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