Merkel und der Euro : Der Wechsel eines Jahres

Die Kanzlerin konnte sich in Brüssel als eine "Madame No" präsentieren. Der Beifall der Steuerzahler kann Angela Merkel recht sein - sie wird ihn noch brauchen.

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Was ist schon ein Jahr? So lautete die deutsche Übersetzung einer traurig-schönen Ballade, mit der ein Ire namens Johnny Logan 1980 den Eurovision Song Contest gewann. Ein Jahr kann allerdings auch, anders als von Logan besungen, eine sehr lange Zeit sein – besonders wenn es sich um ein Krisenjahr handelt. Ein solches „annus horribilis“ hat der Euro hinter sich: Im vergangenen Frühjahr gab es noch die „Eiserne Kanzlerin“, dann konnte aber auch Angela Merkel nichts daran ändern, dass Griechenland doch gerettet werden musste. Ein halbes Jahr später schlüpfte Irland unter den Rettungsschirm. Am Ende dieses Krisenjahres muss Merkel vielleicht einem Iren noch einmal richtig dankbar sein. Er heißt Enda Kenny, ist seit kurzem Premierminister auf der Grünen Insel und hatte es beim Brüsseler Euro-Gipfel auf einen Streit mit Merkel und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy um einen möglichen Zinsnachlass für Irland angelegt. Kenny blitzte mit seiner Forderung ab. So konnte sich Merkel einmal mehr als eine „Madame No“ präsentieren, die sich für deutsche Interessen ins Zeug legt.

Der Beifall der Steuerzahler kann Merkel recht sein. Sie wird ihn noch brauchen in den kommenden zwei Wochen, wenn sie den Bundestag davon überzeugen muss, dass die soeben in Brüssel gefundene Grundsatzeinigung sinnvoll ist. Und das ist sie: Das Euro-Paket verlangt von den bisherigen Pleitestaaten größere Anstrengungen auf dem Weg zu mehr Wettbewerbsfähigkeit – auch wenn der Kompromiss hinter den ursprünglichen Berliner Forderungen zurückbleibt. Auf der anderen Seite steht im Euro-Krisenfonds künftig mehr Geld zur Verfügung. Berlin zahlt dafür den Preis, mit mehr Milliarden für den Fonds zu garantieren. Deutschland sollte dazu bereit sein – damit das kommende Jahr nicht erneut für den Euro zu einem Krisenjahr wird.

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