Merkel und die Frauen : Hausbacken

"Ich kann immer wieder nur ermutigen, das Leben in die eigene Hand zu nehmen" - Angela Merkels Rat hilft den deutschen Frauen nicht.

Moritz Döbler

Sie möchte nicht zuvorderst als Frau oder Ostdeutsche wahrgenommen werden. Sie versteht ihren eigenen Weg als Beleg, dass nach oben kommt, wer wirklich will. „Ich kann immer wieder nur ermutigen, das Leben in die eigene Hand zu nehmen“, sagt Angela Merkel im Gespräch mit Alice Schwarzer. Und sie rate jeder Frau, „die für die gleiche Arbeit weniger als ihr Kollege verdient, selbstbewusst zum Chef zu gehen“. Doch die Lebenswirklichkeit vieler Frauen ist trotz des grundgesetzlichen Gleichheitsgebots eine andere. Typische Frauenberufe – von Erzieherin bis Sekretärin – sind schlecht bezahlt, Babypausen und Teilzeit schaden dem Einkommen, und Männer sind häufig lauter als Frauen, um Gehaltsansprüche bei ihren Chefs (zumeist Männern) durchzusetzen: Das sind nur einige Ursachen für die Ungleichheit. Auch lassen sich die Faktoren „gleiche Arbeit“ und „weniger Geld“ selten nachweisen. Wer weiß schon exakt, was der Kollege verdient? Falls Merkel mit dem „Emma“-Gespräch vor der Wahl die Frauenkarte ziehen wollte, dann war das kein Trumpf. Alle Frauen wissen spätestens jetzt, dass sie von ihr nicht mehr zu erwarten haben als von den Kanzlern vor ihr. Aber Merkels Johannisbeerkuchen, über den sie mit Alice Schwarzer auch redet, ist bestimmt lecker.

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