Merkel und die Männer in der CDU : Lange Liste an Feinden

Die Bundeskanzlerin hat ihren Umweltminister gefeuert. Norbert Röttgen ist entlassen - aber politisch entsorgen lassen will der sich deshalb noch lange nicht. Droht eine Konfrontation?

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Angela Merkel gibt den Kurs vor: Norbert Röttgen ist nicht der erste Mann, der sich ihrem strikten Richtungsdiktat beugen musste.
Angela Merkel gibt den Kurs vor: Norbert Röttgen ist nicht der erste Mann, der sich ihrem strikten Richtungsdiktat beugen musste.Foto: dpa

Da sitzt er nun in Königswinter, daheim am Rhein, bei Frau und den drei Kindern, denen er vergangene Woche selbst sagen wollte, dass der Papa jetzt nicht mehr Minister ist, bevor es alle anderen von der Kanzlerin erfuhren. Dass es mit ihm ein solches Ende nehmen würde... Norbert Röttgen hatte nach dem Gespräch mit Angela Merkel den Mittagsflieger Richtung Köln/Bonn genommen, und die meisten dachten wohl, sie würden von ihm nicht so bald wieder hören. Vielleicht hofften sie es auch. Die Hoffnung kann getrogen haben. Röttgen will Merkel nämlich ganz offenkundig nicht den Gefallen tun, im Rheingraben zu verschwinden. Wer mit einem solchen Selbstwertgefühl ausgestattet ist wie er, der lässt sich entlassen, aber nicht politisch entsorgen.

Einen eigenen Kopf hatte Röttgen immer. Zuletzt nur nicht mehr viele Freunde, und darum schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, wann er sein letztes Amt verlieren würde, das des Stellvertreters von Merkel im CDU-Vorsitz. Wie sollte er es auch behalten können, gegen die Vorsitzende und die anderen in der Führung? Indem er gegen eben die und vor allem Merkel offen zu Felde zieht. Das ist Röttgen tatsächlich zuzutrauen. Er war ja früher auch mal ein „Junger Wilder“, der sich Helmut Kohl zu widersprechen traute. Ähnliches wurde von Merkel lange nicht bekannt.

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Bekannt ist hingegen, dass die Liste der Politiker aus Nordrhein- Westfalen, die von der Kanzlerin enttäuscht worden sind oder sich von ihr getäuscht fühlen, lang ist. Gefährlich lang inzwischen. Friedrich Merz, Wolfgang Bosbach, Norbert Röttgen, Jürgen Rüttgers, kleine und große Namen. Die NRW-CDU stellt allerdings ein Drittel aller Delegierten der Bundes-CDU auf deren Parteitagen, was heißt: Gegen sie ist wenig zu gewinnen, aber alles zu verlieren.

Reden kann Röttgen gut, jedenfalls auf Kongressen. Wenn er nun dem Gefühl starken Ausdruck verleiht, dass es für Merkel nichts Wichtigeres als sie selbst und ihre Macht gibt, dann kann das in der Partei durchaus Widerhall finden. Parteifreund Bosbach hat das sich verbreitende Gefühl so beschrieben: Machttechnisch ist Merkel zu verstehen, ihre Kälte ist es nicht. Das Wort von einer „Exekution“ macht die Runde, und das klingt böse postsowjetisch.

Erstaunlich jedenfalls ist, dass Röttgen, der sonst eher kein Mitleid weckt, jetzt sentimentale Sätze hinterhergerufen werden. Wie daran erinnert wird, dass er lange als einer dieser typischen Merkel-Männer galt, alert, intelligent, anstellig. Und dass auch Kritiker ihm eine zweite Chance gewünscht hätten. Ob Merkel dies alles und auch ihn in seiner Härte unterschätzt hat? Wie man an ihr sieht, kann sich so etwas im Nachhinein als großer Fehler herausstellen.

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