Merkel und Schavan : In aller Offenheit

Die Kanzlerin betont, dass sie in der Plagiatsaffäre Vertrauen in ihre Bildungsministerien hat. So fing es bei Guttenberg auch an.

Stephan-Andreas Casdorff

Ob sie nun „volles“ oder „vollstes“ Vertrauen hat (wie seinerzeit zu Guttenberg) – Angela Merkel wird es ihrer Freundin Annette Schavan so schnell nicht entziehen. Jedenfalls so lange nicht, wie es irgend geht. Immerhin hat die Bundeskanzlerin nicht so viele Freundinnen in der Politik, und Schavan, die noch amtierende CDU-Vizevorsitzende und Bundesbildungsministerin, zählt dazu. Sie hat zwischendurch auch als Blitzableiterin hergehalten, damit sich die mit dem Gesamtkurs unzufriedenen Delegierten der Christdemokraten auf Parteitagen ihr Mütchen kühlen konnten. Es an Merkel zu kühlen, fehlte ihnen der Mut. Richtig bleibt, unabhängig davon, dass es nicht gut aussieht für Schavan. Einmal, weil eine Bildungsministerin nicht eines Plagiats schuldig sein darf, wenn sie im Wissenschaftsbetrieb weiter bestehen will. Zum Zweiten, weil Schavan doch recht viel Wert auf ihre Titel legt; sie sind sogar ihr Kern, wie sie in aller Offenheit erklärt hat. Da darf jetzt nichts mehr kommen, schon gar nicht ein Promotionsausschuss, der sich dem Gutachterurteil anschließt. Wenn er das aber tut, dann – ja, dann wird Schavan wissen, was sie zu tun hat. Ob Merkel das vielleicht auch meinte mit ihrem vollsten Vertrauen in die Ministerin?

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