Merkel und Westerwelle : Seite an Seite – nur mit wem?

Angela Merkel ist immer dann Pazifistin, wenn es Landtagswahlen in Baden-Württemberg gibt, und zwar für genau drei Monate. Sie und Guido Westerwelle würden wahrscheinlich auch gemeinsam nackt Boogie Woogie tanzen, falls es ein Prozent mehr bei den Wahlen bringt.

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Unser Autor Harald Martenstein.
Unser Autor Harald Martenstein.Foto: ddp

Die Politik von Angela Merkel ist mir zu hoch, oder zu tief, vielleicht auch zu breit. Ich verstehe das nicht. Sie hat gesagt, der Krieg gegen den Irak war richtig. Wir hätten da mitmachen müssen. Der Irak wurde von westlichen Truppen besetzt, es gab kein UN- Mandat für diese Besetzung, die Begründung für den Krieg war gefälscht, oder eine fixe Idee von George W. Bush, eine organisierte Opposition gegen Saddam Hussein gab es nur in Ansätzen. Angela Merkel sagte sinngemäß: Jawohl, so muss es sein. Bei so einem Krieg sollte Deutschland unbedingt mitmachen.

Jetzt, in Libyen, gibt es einen Volksaufstand, und Gaddafi bringt massenhaft seine Leute um. Es gibt ein UN-Mandat, und das Land soll nicht besetzt werden. Angela Merkel sagt: So etwas kommt für uns nicht infrage. Was für eine langfristige politische Linie könnte dahinterstecken? Einzige Möglichkeit: Angela Merkel ist immer dann Pazifistin, wenn es Landtagswahlen in Baden-Württemberg gibt, und zwar für genau drei Monate.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nie in einer Kolumne zum Mord aufgerufen habe. Warum tötet man Gaddafi nicht? Zum Thema „Tyrannenmord“ ist, spätestens im Zusammenhang mit Adolf Hitler, längst alles Notwendige gesagt. Ein Diktator muss nicht erst 30 Millionen umbringen, um ein lohnenswertes Ziel zu sein, ein paar tausend Tote sollten auch schon genügen. Ich hoffe auf ein britisches Geheimkommando, die Franzosen sind zu wuschig für so etwas.

Angela Merkel und Guido Westerwelle sagen auch, sinngemäß: Wir helfen den Aufständischen nicht, weil wir diese Leute nicht kennen. Wir wissen nicht, wofür sie stehen. In Afghanistan beteiligt sich Deutschland an einem Krieg und unterstützt ein Regime, von dem man immerhin genau sagen kann, wofür es steht. Karsai steht für Korruption und für gefälschte Wahlen. Bei den Männern und Frauen des 20. Juli wusste man übrigens auch nicht, wofür sie stehen. Sie hatten lange für Hitler gearbeitet, einige träumten von der Wiederkehr des Kaiserreichs. Nach der Logik von Guido Westerwelle wäre es falsch gewesen, Oberst Stauffenberg allzu engagiert zu unterstützen.

Wir werden von der deutsch-russischen Freundschaftsgesellschaft regiert. Deutschland steht jetzt Seite an Seite mit dem bezaubernden Herrn Putin, in dessen Reich kritische Journalisten nicht alt werden. Und das alles hat vor allem damit zu tun, dass Angela Merkel und Guido Westerwelle populär sein möchten. Sie würden, um Wahlen zu gewinnen, nicht nur versprechen, alle Digitaluhren abzuschalten und den Papst auszubürgern, sie würden nicht nur Libyen an des Teufels Großmutter verkaufen, sie würden wahrscheinlich auch gemeinsam nackt Boogie Woogie tanzen, falls es ein Prozent mehr bei den Wahlen bringt.

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