Merkel und Wulff : Integrationspolitik ohne Standbein

Das integrationspolitische pas de deux von Angela Merkel und Christian Wulff ist von eleganter Klarheit: Wir sagen hier dies und dort das - und richten uns dabei nach dem jeweiligen Publikum.

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Wie beim Ballett: ein Schritt vor, ein Schritt zurück. Die Kanzlerin sagt in einer Rede am Mittwoch „Der Islam gehört zu Deutschland“ und gleich danach „Es gibt übrigens nicht den Islam.“ Wenn der zweite Satz stimmt, ist der erste Blödsinn. Der Bundespräsident sagt „Der Islam gehört inzwischen zu Deutschland“ und redet dann im türkischen Parlament von den Problemen, die wir in Deutschland beim Zusammenleben mit den Einwanderern haben: „Dazu gehören das Verharren in Staatshilfe, Kriminalitätsraten, Machogehabe, Bildungs- und Leistungsverweigerung.“ Wenn der Islam und die muslimischen Einwanderer inzwischen zu Deutschland gehören, dann sind sie ein innenpolitisches Thema und keines für eine Rede in einem ausländischen Parlament. Der integrationspolitische pas de deux von Angela Merkel und Christian Wulff ist von eleganter Klarheit: Wir sagen hier dies und dort das, mal hart, mal weich, und richten uns dabei nach dem jeweiligen Publikum. Klarer wird so natürlich nicht, welcher Islam aus Merkels Sicht zu Deutschland gehört, und mit wem Wulff eigentlich über kriminelle deutsche Jugendliche reden möchte – mit den deutschen oder den türkischen Parlamentariern. Wie beim Ballett ist man bei beiden auf den nächsten Sprung gespannt. mos

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