Merkels Woche : Die Zeit nach dem Zenit

Die Ereignisse von Tagen, von Stunden schnurren zusammen auf ein Wort: Merkel. Immer wieder: Merkel. M für Macht, e für erschöpfend, r für rigoros, k für kaltblütig, e und l für extrem leidensfähig.

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Was muss sie nicht alles aushalten, als Kanzlerin, als CDU- Bundesvorsitzende. Im Regierungsamt türmen sich die Brocken auf, die noch zu behandeln sind; im Parteiamt fliegen sie ihr um die Ohren, und zwar deshalb, weil die Granden um sie herum noch etwas anderes interessiert als die Regierungsarbeit. Und am Ende dieser Woche steht Merkel da, als hätte sie verloren, wieder verloren. Aber stimmt das?

Gewonnen hat sie auch: Freiraum. Freiraum, der ihr dadurch zuwächst, dass sich aus ihrer Generation in der Führung der CDU einer nach dem anderen verabschiedet, entweder entnervt oder enttäuscht, oft beides zusammen, und meistens deshalb, weil es mit dem Scheitern an Merkel zusammenhängt. Sie hat sie alle überlebt. Friedrich Merz, Roland Koch, Günther Oettinger – weg, zum Teil weit weg, jedenfalls ohne Einfluss auf die Tagespolitik in Berlin. Das wird Merkel angenehm sein. Fürs Erste.

Christian Wulff hat sich auch aus dieser Riege verabschiedet, fällt aber aus dem Rahmen, weil er – mit erst 50 – schon Bundespräsident werden will, also in ein Amt strebt, das gemeinhin mit höherem Lebensalter verbunden ist. Was soll danach noch kommen? Dazu ist es so, dass er Merkel gegenüber nicht feindlich eingestellt ist, ihre machtpolitischen Fähigkeiten und Fertigkeiten vielmehr besser einschätzen konnte als die anderen Jungs aus dem „Anden-Pakt“. Dieser (westdeutsche) CDU-Männerpakt ist nun Geschichte. Wulff muss als Bundespräsident in eine Rolle hineinwachsen, die ihm angenehm ist. Und damit Merkel. Fürs Erste.

Aber die Zeit, die so rast, als wolle sie sich selbst überholen, zeigt: Es kann noch anders werden. Einmal vorausgesetzt, Wulff wird gewählt, so muss er als Präsident doch nicht nur freundliche Grußworte sprechen und neugierig auf Menschen sein, sondern über den Tag hinaus denken und Impulse geben. Zumindest muss er das versuchen, denn das ist der Wesenskern der Institution Bundespräsident: Integrationsagentur des Staates zu sein und Agent neuer, erfrischender, vertiefender, ermutigender Gedanken. Die Spannungen zwischen Präsidial- und Kanzleramt sind dadurch implizit, können allerdings dann fruchtbar sein, wenn sich die Amtsinhaber auf eine Art edlen Wettstreit einlassen. Ohne Eifersüchteleien, ohne Missgunst, ohne Misstrauen. Was soll für Wulff auch noch kommen? Genau das kann für Merkel, die in all dem vorher Genannten weniger ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten hat, außerdem auch noch selten Bereitschaft dazu zeigt, noch unangenehm werden.

Damit aber nicht genug. Die CDU ist nur oberflächlich bereits komplett umgebaut zu einer Partei der Moderaten. Mögen einige derer, die Merkel gefördert hat, Männer wie Frauen, auch diesen Eindruck machen. Das Weichere, Alerte, ist nur nicht das, was die Union im Land trägt. Das Konservative, genauer: das Rechte sucht schon auch noch – und inzwischen zunehmend wieder – seinen Ausdruck in dieser Partei, die früher, vor Merkel, immer darum bemüht war, das Spektrum bis ganz zum rechten Rand abzudecken. Diese Strömung, insgesamt mit Jüngeren in den Ländern verbunden, hat eine andere Entscheidung Merkels als die für Ursula von der Leyen mit erzwungen. Und es war niemand mehr da von den Männern in der Generation, mit der Merkel in der CDU sozialisiert worden ist, der sie hätte schützen können oder wollen. Das kann für sie sogar noch unangenehmer werden.

Die jetzt kommen, die Jüngeren, sind die Harten, Smarten, die eher Eindeutigen. Stefan Mappus in Stuttgart ist einer von ihnen, David McAllister in Hannover ist der nächste. Niemand soll ihre Worte mit ihren Vorstellungen verwechseln, schon gar nicht im Hinblick auf die Karriere, die sie noch vor sich haben.

Angela Merkel steht am Ende dieser Woche auf dem Zenit. Und mag sie auch eine Ebene vor sich sehen: Nach dem Zenit beginnt der Abstieg. Früher, später. Das ist ein Naturgesetz.

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