Meinung : Messe am Induktionsaltar

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Religion ist kein Zuckerschlecken, falls man das so sagen kann. Kirchensteuer, Glaubenskrisen, radikale Fundamentalisten – kein Wunder, dass sich da mancher seinen Privatgott maßschneidern möchte, vorzugsweise als friedlichen Liberalen, der nicht ständig Verbote verhängt und auf den teuren Außendienst weitgehend verzichtet. Wie wäre es denn mit dieser Religion hier? Ein Karlsruher Theologe hat herausgefunden, dass die Fernsehköche die neue Priesterkaste sind. Der Induktionsherd ist ihr Altar, ihre Predigt gilt der schwarzen Trüffel, und die Bibel machen sie sich selbst: als buntes Kochbuch mit vielen Rezepten zum Nachkochen. Und wem fiele bei der Verwandlung von schnöden Mittelmeergemüsen in ein DreiSterne-Gericht nicht sofort die Transsubstantiation des Leibes Christi ein? Nein? Na, jedenfalls hält der Urheber der Theorie das Fernsehkochen für eine Art katholischer Messe, und da wird es nun Zeit, die geistigen Grundlagen zu schaffen, die ja nicht nur in Rezepten bestehen können. Ein paar in eitel Rohmilchbutter gehauene Gebote müssten schon sein: „Du sollst das Filetsteak nicht durchbraten“ könnte eines davon lauten. Nun müssen wir den Köchen nur noch vorsichtig beibringen, wie das Zölibat funktioniert.

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