Meinung : Metaller klagen an

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Die sensibelsten unter unseren Gewerkschaftsvorsitzenden haben es längst bemerkt: Die Gewerkschaften sind zum Prügelknaben der Nation geworden, schuld an praktisch allem, was uns beutelt. Was könnte ihnen da noch helfen? Starke Symbole. Deshalb nehmen wir mit Interesse zur Kenntnis, dass der bevorstehende Streik der Metaller um die 35Stunden-Woche in Berlin-Brandenburg am 17. Juni beginnen soll. Feinsinnig! Schließlich war es der 17. Juni vor 50 Jahren, als in Ostdeutschland ein Arbeitskampf losbrach, der schnell den gesamten SED-Staat bedrohte. Was also will uns Hasso Düvel, der zuständige Obermetaller, mit diesem Symbol sagen? Meine Leute, will er sagen, stehen auf gegen ein unterdrückerisches Unrechtsregime. Die Agenda 2010 entspricht der Erhöhung der planwirtschaftlichen Normen, Schröder ist nichts als eine Art Walter Ulbricht im Brioni-Anzug. Ja, man könnte den Termin sogar als eine Einladung werten, mit militärischer Gewalt gegen die Streikenden vorzugehen, auf dass sich die Empörung der ganzen Welt … Tragisch: Am Ende wird eine hohe Lohnmauer rund um Brandenburg errichtet, mit Wachtürmen, Minen und dem Befehl, auf jeden zu schießen, der das Tarifgebiet eigenmächtig verlassen will. Ja, werden wir sagen, hätten wir das alles nur vorher gewusst! Aber damals hat ja keiner auf Hasso Düvel und dessen Terminkalender geachtet.

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