Michael Grosse-Bromer: : „Meine Kochkünste sind beschränkt“

Michael Grosse-Brömer ist Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion. Seine Aufgabe: Mehrheiten sichern. Ein Porträt.

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Es war ein kleiner Schritt für die Twitter-Welt, aber ein großer für Michael Grosse- Brömer. „Die Spannung steigt!“, ließ der CDU-Abgeordnete Anfang Mai per Kurznachricht wissen, „aber was Peter Altmaier kann, muss ich doch auch können.“ Er ahnte noch nicht, wie umfassend er recht behalten würde. Eine Woche später verlor Norbert Röttgen die NRW-Wahl, Altmaier stieg zum Umweltminister auf, und Grosse-Brömer rückte auf dessen Posten als Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion nach.

Die Stellung ist noch etwas wichtiger als ihre amtliche Bezeichnung lang ist. Der 1. PGF ist so etwas wie der geschäftsführende Fraktionsvorsitzende in allen Fragen, die sein Chef nicht direkt an sich zieht. Er muss die Fraktion zusammen- und im Alltagsgeschäft den Überblick behalten, verhandelt mit der Opposition und ist obendrein Hauptansprechpartner der Presse.

Wer den Job gut macht, wird danach mindestens Minister. Wer den Job zu gut macht, lässt den Fraktionschef blass aussehen. Als Volker Kauder sich den Wahl-Niedersachsen Grosse-Brömer aussuchte, machte deshalb sofort die Vermutung die Runde, der Fraktionsvorsitzende wolle nach Röttgen und Altmaier endlich mal jemanden zur Seite, der nicht in kurzer Zeit wichtiger ist als er selbst.

Tatsächlich kannte den 1960 in Oberhausen geborenen Juristen bis dahin kaum jemand. Dabei ist er als Chef der Landesgruppe Niedersachsen schon seit längerem in jenem Geschäft des politischen Teppichhandels tätig, das er als PGF jetzt erst recht pflegen muss. In den Verhandlungen mit der Opposition über den Euro-Rettungsfonds EMS und den Fiskalpakt leitet er die Abteilung Parlamentsbeteiligung. Die erste Bewährungsprobe wartet auf ihn allerdings bei einem anderen Thema: Wenn der Bundestag übernächste Woche über das Betreuungsgeld abstimmt, hängt es auch mit an seinem Geschick im Umgang mit Skeptikern, ob die Mehrheit steht.

Vorgänger Altmaier pflegte in derlei Lagen die Kritiker nach Hause einzuladen und zu bekochen. Grosse-Brömer muss sich etwas anderes einfallen lassen: „Meine Kochkünste sind nur sehr beschränkt nutzbar.“ Also muss er auf freundlich-ausgleichende Art setzen und darauf, dass die Kollegen seine Sicht der Dinge teilen: Wenn ein Abgeordneter in der Fraktion keine Mehrheit findet, gebietet es die Solidarität, dass er später im Bundestag seine Bedenken zurückstellt. Robert Birnbaum

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