Michail Sakaschwili, Staatschef Georgiens : „Ich werde jedes Ergebnis akzeptieren“

Sein Amt wird Michail Saakaschwili wohl behalten. Doch bei den Präsidentenwahlen in Georgien am heutigen Samstag dürfte der 40-Jährige erheblich weniger Stimmen gewinnen als vor vier Jahren.

Elke Windisch

Eventuell folgt sogar eine Stichwahl. Denn der einstige Hoffnungsträger hat viel an Strahlkraft verloren – zu Hause und auch im Ausland, wo Saakaschwili voreilig zum Demokraten hochgejubelt wurde, weil er auf rasche Integration Georgiens in westeuropäische Strukturen wie Nato und EU drängte. Entsetzt mussten seine Unterstützer jedoch feststellen, dass ihm beim Regieren zuweilen ein anderer großer Georgier die Hand führt: Josef Stalin.

Mit knapp 25 Jahren erwirbt Saakaschwili 1992 in Kiew das Diplom als Völkerrechtler. Gleich danach folgen Studienaufenthalte in Westeuropa, unter anderem in Den Haag, wo er seine niederländische Ehefrau Sandra kennenlernt. 1994 schreibt er sich in New York an der Rechtsfakultät der Columbia University ein und jobbt parallel dazu in der Anwaltskanzlei Peterson & Belknup.

Trotz glänzender Berufschancen in den USA geht er 1995 zurück nach Georgien, sucht dort die Nähe zu Präsident Eduard Schewardnadse und macht steil Karriere. Nach beider Zerwürfnis im Herbst 2000 – Saakaschwili wirft Deutschlands Lieblingsgeorgier Korruption und einen autoritären Führungsstil vor – wechselt er zur Opposition und stellt sich 2003 an die Spitze der „Rosenrevolution“, die Schewardnadse nach massiven Wahlfälschungen aufs Altenteil verbannt. Im Januar 2004 wird er zum damals jüngsten Staatschef Europas gewählt.

Die Bilanz seiner vierjährigen Regierung fällt durchwachsen aus: Vom wirtschaftlichen Aufschwung, in Ansätzen durchaus erkennbar, konnten die Massen bisher nicht profitieren. Mehr als die Hälfte der Georgier lebt unterhalb der Armutsgrenze. Auch die Wiederherstellung der staatlichen Einheit kommt nicht voran. Bisher konnte er nur die Schwarzmeer-Region Adscharien Georgien anschließen. Auf Abchasien und Südossetien dagegen hat die Regierung in Tiflis nach wie vor keinen Einfluss.

Dazu kommen gravierende Demokratiedefizite: Im vergangenen November ließ er eine Versammlung der Opposition, die seinen Rücktritt forderte, brutal auflösen. An der Spitze des Protests standen ehemalige Weggefährten, die sich inzwischen enttäuscht von ihm abgewandt haben. Einige davon kandidieren heute gegen ihn. Elke Windisch

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