Mieten in Berlin : Und steigen und steigen

Die Sparpolitik von Thilo Sarrazin hat den Wohnungsmarkt der Stadt gespalten. Und Sarrazin hat das Land um die Instrumente gebracht, die über Jahrzehnte erfolgreich gegen die gefährliche Trennung von Reich und Arm eingesetzt wurden.

Ralf Schönball

Auch das gehört zum Erbe des scheidenden Berliner Finanzsenators: rasant steigende Mieten. Denn die Sparpolitik von Thilo Sarrazin hat den Wohnungsmarkt der Stadt gespalten. Und Sarrazin hat das Land um die Instrumente gebracht, die über Jahrzehnte erfolgreich gegen die gefährliche Trennung von Reich und Arm eingesetzt wurden. Beispiel gefällig? Die quer über die Stadt verteilten Sozialwohnungen. Die kosten heute mehr Miete als ein schöner Altbau in derselben Lage. Das liegt daran, dass die öffentlichen Förderungen mit der Axt gekappt wurden. Die gestrichenen Subventionen haben die Hauseigentümer dann auf die Miete draufgeschlagen. Deshalb können sich die Armen diese Sozialwohnungen nicht mehr leisten – und die Reichen dürfen sie nicht mieten. Nun stehen viele leer. Sparen geht anders. Zweites Beispiel: der Verkauf landeseigener Wohnungen. Zigtausend Häuser – oft im Zentrum der Stadt – gehören heute Finanzinvestoren. Die erhöhen die Mieten, wo sie nur können. Denn der Renditehunger ist bei Privaten viel größer als bei landeseigenen Gesellschaften. Eben das geriet in der Ära Sarrazin aus den Augen: dass nicht nur der Berliner Haushalt zählt, sondern auch die Berliner. Und wenn der Staat jetzt immer mehr Miete für die vielen Hartz-IV-Empfänger und immer mehr Geld für die Stabilisierung sozialer Brennpunkte ausgeben muss, wo bleibt dann die Einsparung, die uns Sarrazin mit dem Kahlschlag am Berliner Wohnungsmarkt einmal versprach?ball

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