Meinung : Millionär im Jenseits

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Der Irak ist bekanntlich eine Diktatur. Aber was für eine? Keine sozialistische, das steht fest, seit der Boss gestern verkünden ließ, dass er den Krieg mit Hilfe schnöder materieller Anreize zu gewinnen gedenkt. Es handelt sich gewissermaßen um die säkulare Variante des islamischen Terrorismus, dessen Anhängern im Jenseits bekanntlich je 70 Jungfrauen zu Willen sind. Saddams Soldaten bekommen im Diesseits umgerechnet rund 13 200 Euro für jeden getöteten Gegner; liefern sie einen echten Amerikaner oder Briten lebend ab, gibt es sogar das Doppelte – vermutlich wird damit der erhöhte Spaß am öffentlichen Auspeitschen und Steinigen abgegolten. Wer einen Hubschrauber oder einen Kampfjet abschießt, kann sogar locker zum EuroMillionär werden. Aber wie mag das praktisch aussehen? Dass Saddam nach Schlachtenende einen Triumphmarsch abnimmt und Briefumschläge verteilt, klingt nicht sehr wahrscheinlich, und auch der Einsatz gepanzerter mobiler Geldautomaten durch das irakische Militär fällt wohl mangels Technik flach. Achtung, Soldaten: Der Verdacht liegt nahe, dass da schon wieder ein Versprechen verkündet wurde, dessen Wahrhaftigkeit erst nach dem Tod geprüft werden kann – und wer braucht dann schon noch Geld? Da wären die 70 Jungfrauen doch das bessere Geschäft.

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