Meinung : Milosevic-Prozess: Partei der Täter

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Die PDS hat zu viele Angestellte, zu viele Büros, zu viele Todesfälle und wegen alledem zu wenig Geld. Daran ist ausnahmsweise nicht der Kapitalismus schuld. Zwei Drittel der Berliner Mitglieder sind über 65 Jahre alt, da muss man mit dem Schlimmsten rechnen. Insofern hat der - sehr junge - Landesvorsitzende Stefan Liebich schon recht, wenn er das Schrumpfen seiner Partei als "Annäherung an die bundesdeutsche Normalität" bezeichnet. Sehr viel mehr Mitglieder als die PDS hat auch die SPD nicht in Berlin. Andere Dinge, die sich in der Regierungspartei PDS ereignen, haben dagegen mit einer Annäherung an die deutsche Realität weniger zu tun. Gregor Gysi, heute charming Wirtschaftssenator, drängte es noch 1999, dem mutmaßlichen Schwerverbrecher Milosevic ergeben die Hand zu schütteln. Gysi wäre gestern, hätte er nicht zum Parteitag gemusst, auch im Rathaus Schöneberg unter Freunden gewesen. Dort geißelten Genossen des Senators und ein Komitee für die Verteidigung von Milosevic die "Entführung" des großen Staatsmannes nach Den Haag. Gysis Partei, das nur zur Erinnerung, regiert in einer Stadt, die Tausenden Opfern von Milosevic Zuflucht gab - und dafür hunderte Millionen Euro zahlte, Jahr für Jahr.

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