Meinung : Milosevic vor Gericht: Nun zittern die Falschen

Wie selbstsicher waren sie doch aufgetreten: Chefanklägerin Carla del Ponte, die unumstößliche Beweise gesammelt haben will, und all die westlichen Politiker, die Slobodan Milosevics Auslieferung an Den Haag verlangt hatten. Nicht zu vergessen UN-Generalsekretär Kofi Annan, der ein neues Zeitalter des Völkerrechts heraufdämmern sah: Die Diktatoren könnten sich der Strafe für ihre Verbrechen künftig nicht mehr entziehen. Doch am ersten Tag des Prozesses gegen Milosevic wegen der serbischen Kriegsverbrechen im Kosovo war von dieser Gewissheit, dass am Ende eine juristisch unanfechtbare Verurteilung stehen werde, wenig zu spüren.

Zum Thema Rückblick: Milosevics Verhaftung
Link: Die Anklageschrift des UN-Tribunals (englisch) Mit seiner Antwort auf die Frage des Richters, ob die gesamte Anklageschrift verlesen werden solle, wollte Milosevic zwar vor allem seine Ablehnung des Verfahrens dokumentieren, aber die vier Worte umrissen zugleich das Dilemma des Kriegsverbrechertribunals. "Das ist Ihr Problem", sagte der Angeklagte. In der Tat. Nun muss eine lückenlose Beweiskette vorgelegt werden, dass hinter den systematischen Vertreibungen im Kosovo der Wille - und die Anweisung - Milosevics stand. Die Ankündigung, dass die Anklage erst jetzt auf die Verbrechen in Bosnien ausgedehnt werden soll, und das Angebot der USA, zusätzliche Unterlagen zur Verfügung zu stellen, nähren Zweifel, ob die Klage gut vorbereitet ist. Fehlt es an Beweisen, müssen nicht die Diktatoren zittern, sondern die Opfer - ob ihnen je Gerechtigkeit widerfährt. cvm

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