Minarettbauverbot : Hurra, sie kapitulieren!

Die Schweizer haben Blödsinn gemacht. Das kann passieren. Kein Volk ist perfekt. Ärgerlich ist nur, mit welch idiotischen Begründungen dieser Blödsinn nun als glorreiche Tat verkauft wird. Um es kurz zu machen, betrachten wir die vier Lieblingsausreden.

Malte Lehming

1.) Den Bau von Minaretten zu verbieten, hat nichts mit Religionsfeindschaft zu tun. Minarette sind theologisch nicht notwendig. Deshalb muss das Verbot als eine Art strikte Bauvorschrift interpretiert werden.



Quatsch. Man braucht sich nur die Plakate der Initiative anzusehen, ihre Rhetorik zu hören und dem Beifall zu lauschen, der den Minarettgegnern entgegengebracht wird, um zu wissen, woher der Wind weht. Außerdem: Wenn Minarette nichts, aber auch gar nichts mit Religion zu tun haben, wie kann dann eine Religion durch deren Bau ihren Machtanspruch demonstrieren, wie es die Minarettgegner behaupten? Und zuletzt: Auch der Bau von Kirchtürmen ist theologisch nicht notwendig.


2.) Der Islam ist keine Religion wie das Christentum, sondern greift tief ins gesellschaftliche und politische Leben ein. Muslime stellen ihren Gott über die Gesetze.

Richtig. Jede Religion ist unterschiedlich. Auch Judentum und Hinduismus sind nicht wie das Christentum. Aber die Unterscheidung spirituelle Innerlichkeit hier (Christentum), machtanmaßender Gesellschaftsgestaltungswille (Islam) dort ist falsch. War Papst Johannes Paul II., dessen Wirken wir das Ende des Sowjetkommunismus mit zu verdanken haben, unpolitisch? Ist es die lateinamerikanische Befreiungstheologie? War und ist es die protestantische Kirche, ohne die weder Friedens- noch Umweltschutzbewegung denkbar sind? Es gibt doch kaum eine Kanzel in Deutschland, von der herab in diesen Tagen nicht für einen erfolgreichen Klimaschutzgipfel geworben wird. Und das göttliche Gebot stellen alle Gläubigen über das Wort und die Werke des Menschen.


3.) Wie du mir, so ich dir. Christen dürfen in vielen islamischen Ländern keine Kirchen bauen und ihre Religion praktizieren, in einigen droht Konvertiten die Todesstrafe, im Jemen wurden unlängst gar zwei christliche Missionarinnen ermordet.

Dieser Logik zufolge haben die Schweizer für eine Art Symmetrie des Unrechts gestimmt, nach dem Motto: Was die können, können wir schon lange. Immerhin wird mit dieser "Symmetrie des Unrechts" eingestanden, sich mit den Objekten der Kritik auf dieselbe Stufe gestellt, also in ein "Unrecht" gesetzt zu haben. Interessant ist dann aber vor allem die Feigheit und Verzagtheit der Schweizer. Warum fordern sie in ihrem Land nicht gleich die Todesstrafe für all jene, die zum Islam konvertieren? Warum bringen sie nicht Muslime um, die im Koran lesen? Das wäre eine wahre Symmetrie des Unrechts! Ein Minarettbauverbot dagegen beweist im Vergleich dazu Gratismut.


4.) Das Schweizer Votum zeigt: Man muss die Ängste der Menschen ernst nehmen.

Wer "die Ängste der Menschen ernst nehmen" googelt, erhält knapp 15.000 Einträge. Es ist eine Floskel, aus der alles und nichts folgt. Egal ob bei Rechtsextremen, der EU-Erweiterung, Hartz IV, Wiedervereinigung, Elektrosmog oder Schweinegrippe: Dauernd wird gefordert, die Ängste der Menschen ernst zu nehmen. Aber was heißt das? Soll man nach Rostock-Lichtenhagen die Ängste jener ernst nehmen, die ein Asylbewerberheim in Brand steckten? Haben wir die Ängste jenes Russlanddeutschen, der Marwa E. ermordete, nicht ernst genug genommen? Hätten wir auf die Nachrüstung verzichten wollen, weil ganz Deutschland Angst vor einem Dritten Weltkrieg hatte? Und wie ernst müssen wir die Angst der Muslime vor Demokratie, Menschenrechten und Emanzipation nehmen?


Von einem Minarettverbot in der Schweiz geht das Abendland nicht unter. Gefährdet ist es höchstens durch das kopfnickende, grenzüberschreitende Zustimmungsgeraune. Bereitwillig, ja lustvoll wird das Menschenrecht auf Religionsfreiheit geopfert, um "ein Signal zu setzen". Insofern ist das Minarettbauverbot nichts anderes als eine Kapitulationserklärung.

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