Meinung : „Mir ist wichtig, dass ...

Cordula Eubel

In der CDU-Spitze loben sie Karl-Josef Laumann als „authentisch“. Als jemanden, der „das Soziale“ in der Union glaubwürdig verkörpert. Das hängt auch mit dem Lebenslauf des CDU-Politikers zusammen. Der 47-Jährige ist einer der wenigen Arbeiter in der Bundespolitik. 17 Jahre arbeitete er im nordrhein-westfälischen Riesenbeck als Maschinenschlosser, bis er 1990 das erste Mal in den Bundestag einzog. Jetzt soll der Westfale sich als neues Mitglied im Präsidium um das soziale Profil der CDU kümmern. Er soll einer derjenigen sein, die in der Partei die große Lücke füllen, die nach dem Rücktritt des CSU-Sozialexperten Horst Seehofer als stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion vor zwei Wochen entstanden ist. Das beachtlich hohe Wahlergebnis, mit dem Laumann gestern gewählt wurde, ist da ein guter Start.

Laumann beerbt im Präsidium ausgerechnet einen, mit dem er politisch nur wenig gemeinsam hat: den Finanzexperten Friedrich Merz. Wo Merz polarisiert, versucht Laumann, den Ausgleich zwischen dem Wirtschafts- und dem Arbeitnehmerflügel in der Partei zu finden. Er selbst ist Mitglied der IG Metall und war viele Jahre lang Betriebsrat. Seit 1977 ist Laumann Mitglied der Arbeitnehmervereinigung der CDU, mittlerweile ist er dort sogar stellvertretender Bundesvorsitzender. Als Merz im Sommer eine Debatte über die Abschaffung des Kündigungsschutzes losgetreten hat, konterte Laumann, wer so etwas wolle, müsse sich eine neue Partei suchen. Zwar tritt auch Laumann für Veränderungen im Arbeitsrecht ein, aber mit mehr Maß und Rücksicht auf die Ängste in der Bevölkerung. Er fürchtet, dass die CDU sonst das Image der „Sozialrambos“ aufgedrückt bekommen könnte.

Im Wirtschaftsflügel der Fraktion hat der Arbeitnehmervertreter sich den Ruf eines pragmatischen Gesprächspartners erworben. „Ich bin kein Ideologe“, sagt Laumann. Er legt jedoch Wert darauf, dass Sozialpolitik auch mit Rechtsansprüchen der Menschen zu tun habe, die man nicht vergessen dürfe. Seit 2002 ist er wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion. „Der Schlüssel für die Sicherung des Wohlstands liegt auf dem Arbeitsmarkt“, beschreibt der Nordrhein-Westfale seine Grundüberzeugung. Er gehörte zu denjenigen, die den arbeitsmarktpolitischen Teil des Wachstumsprogramms für den Parteitag vorbereitet haben.

Im Präsidium will Laumann sich nicht nur um die Themen Wirtschaft und Arbeit, sondern auch wieder stärker der Sozialpolitik widmen. Dabei kann er auf die Unterstützung von Angela Merkel zählen. Sie aber umgekehrt auch auf ihn. So lobte Laumann die CDU-Chefin kürzlich ausdrücklich als den „Liebling der Parteibasis“.

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