Meinung : Mit 66 Jahren ist noch nicht Schluss

„Altersversorgung in Deutschland “ vom 5. September

Nachdem die Bundeskanzlerin das Projekt einer Zuschuss-Rente zwar vorerst gestoppt hat, aber weiterhin Handlungsbedarf in der Alterssicherung besteht, stellt sich die Frage nach dem weiteren Vorgehen. Hier erscheint mir ein zweistufiger Prozess sinnvoll: Kurzfristig könnten einige der weiteren Elemente, die im Gesetzespaket der Arbeitsministerin vorhanden sind, realisiert werden,

so insbesondere Verbesserungen bei den Renten wegen Erwerbsminderung und zur Vereinbarung von Erwerbstätigkeit und Rentenbezug und damit auch für einen schrittweisen Übergang in die Nacherwerbsphase („Kombirente“). Die Frage, wie der künftigen Altersarmut

zu begegnen ist, sollte Gegenstand einer „systematischen Gesamtlösung“ sein,

für die bald Grundsatzentscheidungen erforderlich sind. Es geht aber nicht nur um die armutsvermeidende Eignung von Maßnahmen, sondern auch darum, dass die gesetzliche Rentenversicherung nicht immer weiter nur noch eine stark umverteilende Mindestleistung bietet, denn dieser Weg würde durch die Zuschuss-Rente weiter beschritten. Zentrale Bedeutung hat hierbei die Entscheidung darüber, ob das Niveau der gesetzlichen Rente immer weiter sinken soll (wie dies bislang der politischen Strategie entspricht) oder ob dieser Prozess zumindest gestoppt wird, und die Rente wieder Lohnersatzcharakter zurückgewinnt auf einem Niveau, das für langjährig Versicherte spürbar über der bedürftigkeitsgeprüften Grundsicherung liegt.

Prof. Dr. Winfried Schmähl, Niebüll

„Für die Rente müssen alle ran“ vom 7. September

Danke Hatice Akyün! Da gibt es haufenweise Talkshows im öffentlich-rechtlichen System (z. B. Anne Will oder Maybrit Illner) und keine(r) der Moderatorinnen sieht sich imstande, auch mal in der Rentendiskussion zu problematisieren, dass Beamte und Selbstständige nicht in das Rentensystem einzahlen – wie z. B. bei unseren Schweizer Nachbarn -, aber was Beamte betrifft voll umfänglich bei der Quote ihrer Altersbezüge profitieren.

Wenn der normale Rentenzahler nur noch 43 Prozent seiner letzten Bruttobezüge erhält, freut sich der Pensionär über mehr als 60 Prozent. Geht der Selbstständige pleite, profitiert auch er über die Sozialhilfe vom Alimentationsprinzip. Das trifft auch bei der Krankenversicherung zu. Deshalb müssten auch hier alle einzahlen, damit die Solidarsysteme überleben können. Wer mehr will, muss es privat tun.

Christian Funke, Berlin-Wilmersdorf

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