Meinung : Mit dem Daumen im Wind

Die Linke nach der Wahl: Nur einer hat gut lachen – Kurt Beck

Lorenz Maroldt

Links nichts Neues: Gregor Gysi kommt im Westen einfach nicht über die Hürde, selbst dann nicht, wenn ihm Oskar Lafontaine die Räuberleiter macht. Im Osten dagegen läuft’s weiter leidlich gut. In Sachsen-Anhalt stärker als die SPD: Das wird gefeiert. Auch wenn es im Ursprungsland rot-roter Bündnisse für die Linkspartei – oder PDS oder wie auch immer sie sich gerade nennt – nicht langt, um zu regieren.

Dass Kurt Beck in Rheinland-Pfalz fröhlich weiter für die SPD den Landespapa machen darf, spricht zwar mehr für ihn als gegen die Linkspartei, aber die Folgen für Gysi, Lafontaine und Genossen sind unangenehm. Die Querschüsse sektiererischer Neotrotzkisten, die sich unter dem Kürzel WASG sammeln, reichen auch nicht aus als Erklärung dafür, warum es einfach nicht richtig klappen will mit der Westausbreitung.

Oder noch nicht? Daran klammern sich die Vereinigungswilligen: dass die schwarz-rote Bundesregierung jetzt, nach den drei Landtagswahlen, erst so richtig loslegt mit dem Reformieren und dass dann aus der Unzufriedenheit doch noch eine Massenbewegung wird. Schon kann man den Pariser Fackelschein in manchen Augen erwartungsvoll leuchten sehen.

Doch es ist fraglich, ob auch in Deutschland eine derartige Wut auf die Regierung entsteht; und selbst wenn, heißt das nicht, dass sie sich im Sinne der Linkspartei – oder der WASG oder wie immer sie sich gerade nennt – kanalisieren lässt. Dafür kommt diese doch zu zopfig daher, oder, besser gesagt: zu bartig.

Und die SPD? Mag sie sich heute darüber erleichtert zeigen, dass ihr letzter Mohikaner – Kurt Beck ist und bleibt bis auf weiteres der einzige SPD-Ministerpräsident in einem westdeutschen Flächenland – auf dem Posten bleibt, wird sie morgen schon weiterzweifeln. Hat die Partei Ideen jenseits des gnadenlosen Pragmatismus, in den sie sich an Merkels Seite ergeben hat? Es beginnt zu rumpeln in der SPD, vor allem – links. Denn auch wenn Gysi weiterträumen muss vom Sturm in die Parlamente des Westens, so hat die Linkspartei der SPD doch Stimmen gekostet.

Einen Kurswechsel wollen deshalb manche Sozialdemokraten durchsetzen. Das aber setzt voraus, dass die Partei überhaupt einen Kurs hat. Den zu benennen, das wäre die Aufgabe des Vorsitzenden, die Aufgabe von Matthias Platzeck. Der aber kommt einem eher wie ein Tankerkapitän vor, der im feuchtkalten Nebel auf der Brücke steht und mit eingezogenen Schultern den feuchten Daumen in den Wind hält. Lange geht das so nicht gut.

Es ist nicht lange her, dass Platzeck den Wahlgewinner von gestern, also Beck, im Wettbewerb um die SPD-Chefmütze mit netter Bescheidenheit geschlagen hat. Gut möglich, dass sich so mancher Sozialdemokrat heute wünschte, es wäre anders gekommen. Gut möglich auch, dass Lafontaine heute darüber sinniert, was um alles in der Welt ihn geritten hat, sich an die Spitze von erfolglosen Streitkräften zu stellen. Gut möglich schließlich, dass Gysi bald ein Attest aus der Tasche zieht, demzufolge ihm sein Arzt von jeglicher politischer Tätigkeit dringend abrät. Gut möglich also, dass es links demnächst doch etwas Neues gibt.

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