Meinung : „Mit dem Gegner zu reden, ist kein Appeasement“

Matthias B. Krause

Über einen Mangel an Spitznamen kann sich der Mann nicht beklagen. Die einen halten ihn für „Mr. Fixit“, also jenen, der alles richtet. Die anderen nennen ihn „Velvet Hammer“, den seidenen Hammer, der elegant, aber unerbittlich niedersaust. Das Online-Magazin „Slate“ schließlich bezeichnete ihn einst despektierlich als „Amerikas berühmtesten Hausmeister“. Dieses Bedürfnis, die Rolle des 76-jährigen James Addison Baker III. in der amerikanischen Politik mit unüblichen Kategorien zu illustrieren, erklärt sich daraus, dass dessen Einfluss oft weit über irgendwelche formalen Arbeitsplatzbeschreibungen hinausreichte.

Das trifft auch für seinen derzeitigen Posten zu. Als Vorsitzender der Irak-Arbeitsgruppe, theoretisch gleichberechtigt mit dem ehemaligen demokratischen Kongressabgeordneten Lee Hamilton, beherrscht Baker die Diskussion über den Kurswechsel Washingtons in dem besetzten Land – selbst Präsident George W. Bush sitzt an der Seitenlinie und wartet darauf, was die Baker-Kommission in der kommenden Woche vorschlagen wird.

Angefangen hat alles, als Baker entschied, seinem Tennispartner bei dessen erstem Anlauf für den US-Senat 1970 zu unterstützen: George H. W. Bush scheiterte damals, aber es war der Beginn einer engen Beziehung zwischen der Bush-Familie und dem im Umfeld des texanischen Öl-Adels aufgewachsenen Juristen Baker.

Schon unter Präsident Gerald Ford diente er dem Weißen Haus, Ronald Reagan machte ihn zum Stabschef und später zum Finanzminister. Bush senior, dessen Wahlkampagne er leitete, machte ihn sodann zum Außenminister. Baker gilt als Architekt der Koalition, die mit Billigung der Vereinten Nationen Saddam Hussein aus Kuwait vertrieb, und ihm wird auch die danalige Entscheidung zugeschrieben, den Diktator im Amt zu belassen. Nach seinem Ausscheiden aus der Bush-Regierung verwandelte Baker seine hervorragenden Kontakte im Mittleren Osten in Geld, unter anderem als Vertreter der Carlyle Group, einem mächtigen Spieler im globalen Ölgeschäft. 1996 überlegte Baker kurz, sich selbst ins Präsidentenrennen zu begeben, entschied sich aber dagegen.

Stattdessen blieb er der Mann im Hintergrund, den sie rufen, wenn jemand gebraucht wird, der die Kastanien aus dem Feuer holt: 2000 schickte die Bush-Familie ihn nach Florida, um sicherzustellen, dass George W. als Sieger aus der Hängepartie nach der Präsidentenwahl hervorgehen würde. 2003 beauftragte ihn Bush junior damit, eine Lösung für Iraks Gläubiger zu finden – ungeachtet der Tatsache, dass Baker als Berater der Carlyle Group selbst tief mit im Geschäft steckte. Ihm gelang auch in diesem Fall, was Kritiker als seine größte Stärke ansehen: Erfolge für sich zu verbuchen und dafür zu sorgen, dass Niederlagen nicht an ihm hängen bleiben. Realpolitik ist ein Wort, das immer wieder auftaucht, wenn Bakers Stil beschrieben wird, im Kontrast auch zu den Ideologen, die bis vor kurzem das Weiße Haus beherrschten.

Viele in Washington spekulieren, dass Baker, sobald der Bericht der Kommisson erst vorliegt, mehr werden könnte als nur der mächtige Mann im Hintergrund: Sollte Präsident Bush einen Sonderbotschafter für den Irak berufen, um zu retten, was noch zu retten ist – wer würde sich dafür besser eignen als Baker? Ihm persönlich böte sich zudem eine letzte Chance, statt als Hausmeister der Macht als Elder Statesman in die Geschichte der amerikanischen Politik einzugehen.

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