Meinung : Mit einer Wüste in der Mitte

„Berlins beste Ansichten“ vom

11./12. Juni

Die ausgewählten Beispiele sind ein einleuchtender Beweis, dass Berlins Nachwendearchitektur nicht einförmig, langweilig, steinern und monoton ist. Auch wenn es aktuellere Beispiele wie zum Thema Nachhaltiges Bauen mit der Solarfabrik Solon in Adlershof, Friedrichstraße 40 oder der

Heinrich-Böll-Stiftung gibt. Helmut Jahns Ku’damm 70 gehört sicher nicht zu den zehn Highlights ... Was aber tragisch ist, sind die städtebaulichen Fragmente der hochgelobten, in internationalen Wettbewerben prämierten Bauten. Dem Band des Bundes von Axel Schultes fehlt das Bundesforum und verkehrt die hochgelobte Aussage, das Parlament als einzigen Solitär freizustellen, ins Gegenteil: Das Bundeskanzleramt steht jetzt im Fokus. So war es nie gedacht. Eine provisorische Straße, die der millionenschwere Tiergartentunnel ersetzen sollte, kurvt immer noch ungelenk durch die Regierungsbauten. Keiner klagt an, keiner redet drüber, die, die es wissen sollten, sind stumm. Der Hauptbahnhof, ein Jahrtausendbauwerk,ein verstümmelter Torso, der nicht mal die Züge mit seinem gekürzten Glasdach überdecken vermag. Und dessen Untergrund eine Supermarktdecke verpasst bekam. Und ganz zu schweigen von der städtebaulichen Wüste in Mitte am Schlossstandort. Hier wurde mit dem Abriss des Palastes der Republik ohne Not ein sich entwickelnder kultureller Nährboden zerstört für ein schon jetzt abgehalftertes Rekonstruktionsmonster des Schlossgespenstes.

Die hilflose Casa-Musica-Kopie (Original in Porto von Rem Koolhaas)

der Humboldtbox veranschaulicht all die Tragik dieser vom Bundestag

getroffenen fatalen Fehlentscheidung.

Darüber müsste zu reden und

zu streiten sein – wo, wenn nicht

im Tagesspiegel, verehrter

Herr Bernhard Schulz!

Thomas M. Krüger,

Berlin-Friedrichshain

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