Meinung : Mit gutem Gewissen – nackt

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Die Zeitschrift „Magazin“ war in der DDR immer ausverkauft, weil darin regelmäßig eine Nackte abgebildet war. Sonst war die DDR ein züchtiges Land; andere Zeitschriften, die man immer überall bekam, druckten solche Sauereien nicht. Der „Spiegel“ ist ein Nachrichtenmagazin, das sich der seriösen Information des aufgeklärten Bürgertums verpflichtet sieht, Frauen werden hier fast nie abgebildet, weil sie ohne Sachen besonders schick aussähen. Na ja, fast. Der „Spiegel“, ein Produkt der westlich dekadenten Welt, sieht sich gezwungen, auf der Seite Personalien, ganz hinten, gleich vorm Hohlspiegel, stets eine schöne, eher spärlich bekleidete Frau abzubilden. In dieser Woche sind es gleich zwei, bei der einen liegt eine Brust frei, bei der zweiten beide. Die eine ist gemalt, gilt also nicht, die andere hat zwei hohe Stiefel an und… sitzt im Rollstuhl. Die Nachricht zum Bild ist diese: In Italien ist ein Nacktbildkalender erschienen, in dem schöne Rollstuhlfahrerinnen ihre Brüste herzeigen. Fünf Euro vom Kalenderpreis gehen an eine Behinderteneinrichtung. Ist das nun (als Alibi) besonders prüde oder als – huuu, welch Wort – Tabubruch besonders dekadent? Solche Rätsel gab es in der DDR nie. Nicht mal im „Magazin“, das immer ausverkauft war. dae

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