Meinung : Mit jungen Gemüsen

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In praktisch jeder Sonntagsrede zum Thema „Internet: Segen oder Fluch?“ kommt ein ähnliches Ergebnis heraus: Viel Segen, ein bisschen Fluch, insgesamt kein Grund zur Besorgnis, wenn auch die Kinder nicht den ganzen Tag dran sitzen sollten, und die Verbreitung von pädophilem Sex... Na, jedenfalls so ungefähr in dieser Richtung. Und da das Internet nun mal da ist, nehmen wir es halt hin. Doch das könnte leichtsinnig sein, wie sich dieser Tage am Rotenburger KannibalismusFall zeigt. Denn früher war es ja so: Es gab beispielsweise in Vancouver jemanden, der Appetit hatte, und in Königswinter jemanden, der immer schon davon träumte, fachgerecht aufgegessen zu werden, umlegt mit jungen Gemüsen. Doch aus geographischen Gründen kamen beide nie zusammen, inserieren konnten sie auch schlecht. So blieb es beim uneingestandenen Wunsch, und die Gesellschaft hatte ihre Ruhe. Heute reicht ein kleiner Wink in die Milliardengemeinde des Internets, und schon finden die Partner zusammen zum finalen Festmahl; den passenden Wein empfiehlt ggf. ein Web-Sommelier. Und es ist nicht mal richtig strafbar. Da so etwas an den Grundfesten der Zivilisation rüttelt, sollte wohl doch ein Gesetz her, für alle Fälle. Sonst tauchen bald die ersten Rezepte im Internet auf. Und RTL II sucht den „Super-Kannibalen“.

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