Meinung : „Mit mir ist das nicht …

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… zu machen. Ich bin nicht die englische Königin.“

Sich mit Ehrenvorrechten abspeisen zu lassen, Orden zu verteilen oder die Beglaubigungsschreiben von Botschaftern entgegenzunehmen ist nichts für den Vollblutpolitiker Askar Akajew, Präsident der zentralasiatischen ExSowjetrepublik Kirgisien, den die Opposition entmachten will. Spätestens, wenn im Dezember das höchste Staatsamt erneut zur Disposition steht. Die gestrigen Parlamentsneuwahlen sind eine wichtige Vorentscheidung dazu. Denn der Schokorgu Kenesch – der Oberste Rat – soll künftig mehr Rechte haben. Opposition wir Regierung streben daher die absolute Mehrheit an.

Akajew verkaufte die geplante Reform als weiteren Schritt Richtung Demokratie. Die Opposition spricht von einer taktischen Finte, mit der Akajew, der kein weiteres Mal kandidieren darf, sich Einfluss und Pfründe sichern will – über seine Tochter Bermet, die als Spitzenkandidatin der Regierungspartei antritt. Dass Akajew eine dynastischen Erbfolge ernsthaft in Erwägung zieht, zeigt, wie weit sich der einstige Hoffnungsträger der Massen in knapp 15 Jahren von den Idealen entfernt hat, für die er einst antrat. Und wie sehr sich der Westen, der ihn voreilig zum Musterschüler der Demokratie hochjubelte, wieder einmal verspekuliert hat.

Bis zur Perestroika ein politisch unbeschriebenes Blatt, gehört der 1944 geborene promovierte Physiker, der 1989 Präsident der kirgisischen Akademie der Wissenschaften wird, zu den Gründervätern der ersten nichtkommunistischen Massenpartei – der Demokratischen Bewegung Kirgistans, mit deren Unterstützung er im Oktober 1990 zum Staatspräsidenten gewählt wird. Zwei Monate später erklärt Kirgisien sich für souverän, Ende August 1991 für unabhängig. Im Dezember gleichen Jahres hört die Sowjetunion offiziell auf zu bestehen. Akajew kündigt radikale marktwirtschaftliche und demokratische Reformen an und setzt sie auch in Gang.

Schon Mitte der 90er kapituliert er jedoch vor den Schwierigkeiten, setzt auf den gleichen autoritären Regierungsstil wie die Nachbarn und versteht sich vor allem als Interessenvertreter der Clans aus der Nordhälfte des Landes – seiner Heimat. Von dort kommen auch die meisten hohen Beamten und Ehefrau Marijam. Die soll ihren Mann fest im Griff und Ende der 90er auch die Heirat des Sohnes mit der Tochter von Präsident Nursultan Nasarbajew im benachbarten Kasachstan eingefädelt haben. Dort brodelt es seit dem Machtwechsel in der Ukraine ebenfalls.

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