Meinung : „Mit Schröder/ Fischer…

Peter Siebenmorgen

Edmund Stoiber ist ein Meister des politischen Selbstgesprächs. Das funktioniert in etwa so: Er beginnt, zu einem Thema zu sprechen, hat aber 29 weitere im Kopf. Irgendwann im Verlauf seines Vortrags streift er eines dieser Themen, gibt sich selbst ein Stichwort, und beantwortet die aufgeworfene Frage.

Einem solchen Eigendialog sind auch die jüngsten Einlassungen des 62-jährigen CSU-Vorsitzenden, bayerischen Ministerpräsidenten und gewesenen Kanzlerkandidaten der Union entsprungen. Stoiber hatte sich mit Sozialpolitikern seiner Partei getroffen, um die Seinen weiterhin fest auf eine Ablehnung des CDU-Modells einer Gesundheitsprämie einzuschwören. Dieses Modell ist aus seiner Sicht nicht finanzierbar. Ungerecht sei es obendrein, weil es der Sekretärin die gleiche Prämie abverlangt wie dem Unternehmensboss.

Er meint das ernst. Doch wäre er kein echter Politiker, wenn er das, was er programmatisch für geboten hält, nicht auch auf seine Machttauglichkeit untersuchen würde. Und aus diesem Blickwinkel findet er den rot-grünen Ansatz einer Bürgerversicherung, den er in der Sache für verfehlt hält, attraktiver als die Merkel-Pläne. Wolle man mit diesen in den Wahlkampf ziehen, sehe es finster aus. Damit ist es herausgerutscht, das selbst gegebene Stichwort „Wahlkampf 2006“, das zu einem kleinen Exkurs zur personellen Aufstellung der Oppositionsparteien verführt. Schröder/Fischer gegen Merkel/Westerwelle – da stehe es bereits Zwei zu Null für die Regierung. Große Kaliber gegen Leichtmatrosen.

Der Zeitpunkt der Indiskretion aus besagter Münchner Runde war gewiss kein Zufall. Da will einer ablenken, ähnlich wie zuvor mit seiner aggressiven Ablehnung der CDU-Pläne zum reduzierten Kündigungsschutz, ablenken vom Elend der Hohlmeier-Krise in der CSU der Landeshauptstadt. Stoiber fühlt sich auch, nachvollziehbar, dadurch provoziert, dass CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer neuerdings gern vom Duo Merkel/Westerwelle spricht. Da fühlt sich einer ausgegrenzt. Einer, dessen Partei über mehr Bundestagsmandate als die FDP verfügt; einer der die Schlappe von 2002 am liebsten selbst auswetzen würde, als erneuter Kanzlerkandidat der Union.

Aber Stoiber ist viel zu sehr von Sachthemen, Daten, Zahlen, Fakten fasziniert, als dass man glauben dürfte, wenn er so wütet, spreche er bloß über Taktisches. In Wahrheit kann er auch nie anders, als für das zu streiten, was er für richtig hält.

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