Meinung : Mit spitzer Feder: Blut und Glut in Moskau

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"Moskau - fremd und geheimnisvoll / Türme aus rotem Gold / Kalt wie das Eis." Huuuu, erinnern Sie sich? So begannen die Rambazamba-Musikanten namens "Dschingis Khan" ihr Enthüllungslied über das Herz des Sowjetreiches. Lange vor dem Fall des Eisernen Vorhangs war das, und die Künstler wussten bereits, dass im Leben und Denken der Moskauer, ach was, dass in der russischen Seele mehr als das Gleichgewicht des Schreckens und die Ausbreitung des Kommunismus tief verwurzelt ist: "Kosaken - he - he - he - hebt die Gläser / Natascha - ha - ha - ha - du bist schön / Towarisch - he - he - he - auf die Liebe / Auf dein Wohl Mädchen he - Mädchen ho" hieß es, und der westeuropäische Schlagerrezipient war erstaunt über so viel Innensicht. Nun, zwanzig Jahre später, wissen wir alle mehr über die Nachfahren Rasputins und Alexander Newskis. Aber die Liebe? Die spielt, seien wir ehrlich, in unserem Moskau-Bild kaum eine Rolle. Da sind die Moskauer aber irgendwie auch selbst schuld. Erst verweigern sie sich der Love-Parade (zu viel Reklame für "nicht traditionelle sexuelle Orientierungen", wie die Stadtväter befanden). Und nun holen sie sich den Stierkampf in die Stadt. Die Karten werden schon zu ganz irren Preisen verkauft. Man sollte Dschingis Khan reanimieren und rüber an die Moskwa schicken: "Moskau - Wer deine Seele kennt / Der weiß die Liebe brennt / Heiß wie die Glut." Wem dürstete es da noch nach Stierblut?

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